Bayer hat einen guten Lauf. Erst der Erfolg vor dem Obersten US-Gerichtshof, dann die Neuordnung des Glyphosat-Geschäfts. Jetzt zieht auch die Deutsche Bank nach und stuft die Aktie deutlich hoch.
Analystin Virginie Boucher-Ferte hebt das Rating von „Hold“ auf „Buy“ an. Das neue Kursziel liegt bei 60 Euro. Als Grund nennt sie ein spürbares Nachlassen der Sorgen rund um das Glyphosat-Geschäft.
Neue Struktur, neue Handelsfront
Anfang Juli hat Bayer sein US-Glyphosat-Geschäft in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Die neue Einheit heißt Ruveon LLC und sitzt in St. Louis, Missouri. Sie verantwortet künftig Preisgestaltung, Markteinführung, Produktion und Logistik – bleibt aber vollständig im Bayer-Konzern.
Parallel dazu geht Bayer in die Offensive gegen chinesische Konkurrenz. Am 30. Juni reichten Monsanto und Ruveon beim US-Handelsministerium und der Handelskommission ITC einen Antrag auf Antidumping- und Ausgleichszölle ein. Der Vorwurf: Billige Glyphosat-Importe aus China setzen Bayer als letzten verbliebenen US-Produzenten unter Druck. Ein Erfolg des Antrags könnte die für 2026 erwarteten Umsatzrückgänge im Glyphosat-Geschäft abfedern.
Gericht schafft Rückenwind, Vergleich wartet
Den Grundstein für die aktuelle Stimmung legte Ende Juni der Oberste Gerichtshof der USA. Er schränkte Tausende sogenannter „Failure-to-warn“-Klagen rund um den Unkrautvernichter Roundup deutlich ein. Beobachter werten das Urteil als klaren Schritt zur Reduzierung des Prozessrisikos.
Offen bleibt allerdings der milliardenschwere Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar. Die Anhörung zur Genehmigung in Missouri verschiebt sich vom ursprünglichen Juli-Termin auf den 19. August 2026. Operativ dürfte das nach Einschätzung von Beobachtern kaum Auswirkungen haben.
Charttechnik zeigt Überhitzung
Der Kurs spiegelt die Nachrichtenlage deutlich wider. Bayer schloss am Freitag bei 53,04 Euro, nach einem Plus von 13,80 Prozent innerhalb einer Woche und 53,74 Prozent in einem Monat. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 39,49 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 103,41 Prozent.
Am 3. Juli erreichte die Aktie mit 53,86 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Der aktuelle Kurs liegt nur 1,52 Prozent darunter. Das 52-Wochen-Tief vom 6. August 2025 bei 25,09 Euro liegt inzwischen 111,36 Prozent entfernt.
Diese Dynamik hat allerdings ihren Preis. Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 85,1 – ein Wert, der klar im überkauften Bereich liegt. Die Aktie notiert 36,50 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 42,91 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 63,19 Prozent.
Bilanz bleibt die Achillesferse
So beeindruckend die Rally aussieht: Die Finanzlage bremst die Euphorie. Bayer trägt eine Nettofinanzverschuldung von 32,5 Milliarden Euro.
Im ersten Quartal 2026 rutschte der freie Cashflow auf minus 2,32 Milliarden Euro, nach minus 1,53 Milliarden Euro im Vorjahr. Finanzvorstand Wolfgang Nickl rechnet für das Gesamtjahr mit weiteren Abflüssen von rund fünf Milliarden Euro. Ein Teil davon fließt in juristische Altlasten.
Das Management hält sich zudem die Option einer Kapitalerhöhung offen. Bei Aktionären weckt das Sorgen vor einer Verwässerung ihrer Anteile.
Hoffnung liefert dagegen die Pharma-Pipeline. Die FDA prüft das Schlaganfall-Präparat Asundexian im beschleunigten Verfahren. Ergebnisse werden für das zweite Halbjahr 2026 erwartet – parallel zur Anhörung des Glyphosat-Vergleichs im August.
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