Analysten trauen der Bayer-Aktie trotz anstehender operativer Bremsspuren weitere Kursgewinne zu. Die Deutsche Bank hat ihre Kaufempfehlung für die Papiere des Leverkusener Konzerns mit einem Kursziel von 60 Euro bestätigt. Der Optimismus steht allerdings vor einer Bewährungsprobe, denn für das anstehende dritte Quartal zeichnet sich im operativen Geschäft Gegenwind ab.
Im heutigen Handel verliert das Papier 2,7 Prozent auf 47,76 Euro. Damit konsolidiert der Titel nach einer Erholungsphase, liegt seit Jahresanfang aber weiterhin mit 29 Prozent im Plus.
Operativer Druck im Agrargeschäft
Für das abgelaufene dritte Quartal rechnet Analystin Virginie Boucher-Ferte von der Deutschen Bank mit einem verhaltenen Geschäftsverlauf. Sie prognostiziert ein bereinigtes operatives Umsatzwachstum von lediglich 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Auf der Ergebnisseite dürften sich die Einbußen deutlicher bemerkbar machen. Die Expertin kalkuliert mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses um 10 Prozent.
Ausschlaggebend für diesen Dämpfer ist die hohe Vergleichsbasis, da im entsprechenden Vorjahresquartal günstige Sondereinflüsse im Agrarsektor das Resultat gestützt hatten. Charttechnisch erweist sich zudem der Bereich zwischen 50 und 51 Euro als spürbarer Widerstand, an dem die Notierung zuletzt mehrfach nach unten abdrehte.
Belastende Rechtsstreitigkeiten dauern an
Zusätzliche Aufmerksamkeit erfordert die juristische Lage in den Vereinigten Staaten, die das Unternehmen seit Jahren begleitet. In Missouri begann gestern ein neuer Gerichtsprozess, in dem Anwälte von drei Krebspatientinnen schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erheben. Die Klagepartei argumentiert, das glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel Roundup sei grundsätzlich fehlerhaft konzipiert und unzureichend vor der Markteinführung geprüft worden.
Bayer weist diese Vorwürfe zurück und beruft sich auf jahrzehntelange Sicherheitsüberprüfungen, darunter Untersuchungen der US-Umweltbehörde EPA. Die betroffenen Klägerinnen haben sich nicht dem angestrebten Milliardenvergleich angeschlossen, den Bayer zur Beilegung des Großteils der rund 65.000 US-Klagen verfolgt.
Hohe Kursziele der Branchenbeobachter
Ungeachtet der Rechtsrisiken und des erwarteten Ertragsrückgangs im dritten Quartal fällt das Urteil der Analystengilde überwiegend positiv aus. Im September sprachen fünf Häuser eine Kaufempfehlung für den DAX-Konzern aus. Neben der Deutschen Bank positionierte sich unter anderem JPMorgan zuversichtlich und bezifferte das Kursziel auf 61 Euro.
Die Experten setzen darauf, dass Bayer die Belastungen schrittweise abarbeitet und die operative Basis stabil bleibt. Bis die tatsächlichen Quartalszahlen Klarheit über das Ausmaß der Ertragsschwäche bringen, dürften die juristischen Auseinandersetzungen in den USA den Kursverlauf jedoch weiterhin eng begleiten.
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