Es gibt Gerichtsverfahren, die Unternehmen belasten. Und dann gibt es Verfahren, die ein Unternehmen definieren. Für Bayer ist der Fall vor dem US-Supreme Court gerade beides.
65.000 Klagen, ein Urteil
Der oberste Gerichtshof der USA hört sich an diesem Montag die Argumente an, mit denen Bayer Tausende von Klagen rund um das Unkrautvernichtungsmittel Roundup eindämmen will. Die Kläger behaupten, das Mittel verursache Krebs. Bayer sagt, Jahrzehnte an Forschung beweisen das Gegenteil. Ein Urteil wird bis Ende Juni erwartet, so Reuters.
Ausgangspunkt ist eine Klage aus Missouri. John Durnell erkrankte nach eigener Aussage nach jahrelangem Roundup-Einsatz an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Eine Jury sprach ihm 1,25 Millionen Dollar zu, ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil. Jetzt geht es um die grundsätzliche Frage: Verdrängt das Bundesrecht zur Pestizid-Kennzeichnung die staatlichen Klagen wegen fehlender Warnhinweise?
EPA sagt kein Krebsrisiko, Bayer sagt: also kein Fall
Bayers Argumentation ist so einfach wie sie ist riskant. Die US-Umweltschutzbehörde EPA sieht kein Krebsrisiko durch Glyphosat und schreibt keinen Warnhinweis vor. Also, so Bayer, sollten staatliche Klagen, die genau diesen Warnhinweis einfordern, blockiert werden. Die Trump-Regierung stützt diese Position.
Rund 65.000 Klagen liegen noch in US-Gerichten. Anfang des Jahres einigte sich Bayer auf einen vorgeschlagenen Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar, der viele aktuelle und künftige Ansprüche abdecken soll. Die endgültige Genehmigung durch das Gericht steht noch aus, ein Anhörungstermin ist für Juli angesetzt.
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Ein Sieg löst nicht alles
Selbst ein günstiges Urteil wäre kein Freifahrtschein. Viele Klagen enthalten Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit, irreführendem Marketing und Produktmängeln, die unabhängig von der Kennzeichnungsfrage weiterlaufen können. Allerdings würde ein Erfolg Bayers Position in Berufungsverfahren stärken und die Zahl der Klagen von Klägern begrenzen, die den Vergleich ablehnen. Wer aussteigen will, muss sich bis zum 4. Juni entscheiden, womöglich noch bevor der Supreme Court sein Urteil spricht.
Für Anleger ist das Ergebnis schlicht die größte offene Variable in der Bayer-Geschichte der letzten Jahre. Ein Sieg würde einen der massivsten Bewertungsabschläge der Aktie reduzieren. Eine Niederlage verlängert die Unsicherheit um weitere Jahre. Ende Juni wissen wir mehr.
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