Bayers operative Erholung schlägt noch nicht auf das Nettoergebnis durch. Die gestern veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 weisen einen Konzernverlust von 672 Millionen Euro aus. Wertminderungen auf Xofigo und Claritin von zusammen 522 Millionen Euro belasten die Bilanz. Für Anleger zählt deshalb nicht nur das Wachstum neuer Medikamente, sondern auch die Qualität der Ergebnisverbesserung.
Operativer Fortschritt erreicht die Gewinnzone nicht
Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg im dritten Quartal um 6,9 Prozent auf 1,615 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz erreichte 10,053 Milliarden Euro. Damit verbesserte Bayer sein operatives Ergebnis, obwohl nicht alle Geschäftsbereiche zum Wachstum beitrugen.
Der Unterschied zwischen bereinigtem Ergebnis und Nettoverlust ist für die Bewertung wesentlich. Die Abschreibungen zeigen, dass Bayer neben dem Aufbau neuer Umsatzträger auch Wertkorrekturen bei bestehenden Produkten verkraften muss. Eine stärkere operative Entwicklung bedeutet deshalb noch keine Rückkehr zu einem positiven Konzernergebnis.
Auch innerhalb des Konzerns bleibt die Entwicklung ungleichmäßig. Das bereinigte EBITDA von Crop Science sank um 41,3 Prozent auf 101 Millionen Euro. Bayer verwies im Agrargeschäft auf regulatorische Einflüsse und Wettereffekte.
Die Pharmasparte muss damit nicht nur Rückgänge älterer Medikamente auffangen. Sie gleicht zugleich Schwächen anderer Geschäftsbereiche aus. Das macht ihren Erfolg für den Gesamtkonzern besonders wichtig.
Neue Medikamente tragen den Ausgleich
Die Umsätze von Nubeqa und Kerendia stiegen währungs- und portfoliobereinigt um 58,3 beziehungsweise 64,9 Prozent. Bei Xarelto und Eylea gingen die Erlöse dagegen deutlich zurück.
Damit wird der Produktwechsel innerhalb der Pharmasparte greifbar: Neue Medikamente sollen die Folgen auslaufender Patente älterer Produkte ausgleichen. Entscheidend ist dabei nicht allein das Umsatzwachstum. Die neuen Umsatzträger müssen auch genügend Ergebnis liefern, um den Rückgang etablierter Präparate zu kompensieren.
Das gelang im Berichtsquartal auf Spartenebene: Das Pharma-EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 23,6 Prozent auf 1,292 Milliarden Euro. Die Marge erreichte 27,6 Prozent.
Diese Entwicklung trägt die gestern angehobene Jahresprognose. Sie ist allerdings kein Beleg für eine gleichmäßige Erholung aller Konzernbereiche. Vielmehr hängt die operative Verbesserung derzeit wesentlich am Pharmageschäft.
Rechtsrisiken begrenzen die Entlastung
Neben den Abschreibungen bleiben die Rechtsstreitigkeiten eine Belastung. Business Insider berichtete gestern über PCB-Klagen aus der Monsanto-Übernahme. Bayer hat dafür bereits Milliarden zurückgestellt. CEO Bill Anderson rechnet in den kommenden Quartalen mit weiteren Verfahren.
Die Risiken beschränken sich damit nicht auf Glyphosat. Selbst Fortschritte bei dessen juristischer Aufarbeitung würden die übrigen Rechtsbelastungen nicht beseitigen.
Für das Jahresende erwartet Bayer Nettofinanzschulden von 28–29 Milliarden Euro.
Die operative Verbesserung ist somit erkennbar, die finanzielle Entlastung aber noch unvollständig. Für Anleger bleibt ausschlaggebend, ob das Wachstum neuer Medikamente künftig auch nach Wertkorrekturen und Rechtszahlungen im Konzernergebnis ankommt.
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