Ein überraschender Personalwechsel an der Spitze der Tochtergesellschaft Bausch + Lomb bringt Bewegung in die Muttergesellschaft Bausch Health. Thomas J. Appio, seit 2022 Vorstandschef von Bausch Health, hat am Montag mit sofortiger Wirkung zusätzlich die Rolle des Interims-CEO beim Augenheilkunde-Konzern übernommen. Er folgt auf Brent Saunders, dessen Ausscheiden das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat vereinbarte. Gleichzeitig kündigte das Management eine bevorstehende Anhebung der Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis an.
An der Börse sorgten die Neuigkeiten für spürbaren Rückenwind. Die Aktie von Bausch Health legte gestern um 6,6 Prozent zu und schloss bei 5,63 Euro. Damit notiert das Papier wieder mit einem Abstand von knapp zwölf Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt.
Vorläufige Quartalszahlen stützen Gewinnausblick
Auslöser für den Optimismus der Marktteilnehmer sind vorläufige Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Auf dieser Grundlage rechnen sowohl Bausch Health als auch Bausch + Lomb mit einer Aufstockung ihrer Gesamtjahresziele für das bereinigte EBITDA, jeweils bereinigt um erworbene Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.
Konkrete Zielkorridore nannten die Unternehmen zunächst nicht; die detaillierten Zahlen für das abgelaufene Jahresviertel sollen am 28. Oktober vorgelegt werden.
Für Bausch Health ist dies nicht die erste Prognoseanhebung im laufenden Turnus. Bereits nach Abschluss des zweiten Quartals hatte der Konzern seine Erwartungen für den Gesamtumsatz, das bereinigte EBITDA sowie den bereinigten operativen Cashflow nach oben korrigiert.
Der nun signalisierte Ergebnisschub deutet darauf hin, dass sich die operative Entwicklung im Sommer weiter gefestigt hat. Die seit Längerem im Raum stehende vollständige Abspaltung des Augenheilkundegeschäfts bleibt parallel dazu ein strategisches Thema, zu dem es zuletzt jedoch keine neuen Beschlüsse gab.
Hohe Abfindung für scheidenden Tochter-Chef
Der Stabwechsel an der Spitze von Bausch + Lomb erfolgte abrupt. Thomas Appio, der dort bereits seit August den Vorsitz des Verwaltungsrats innehatte, führt den Mehrheitskonzern Bausch Health nun in Personalunion mit der wichtigsten Beteiligung. Saunders, der die Führung der Augensparte Anfang 2023 angetreten hatte, scheidet laut einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC ohne Streitigkeiten mit dem Kontrollgremium aus.
Die Trennungsvereinbarung sieht eine einmalige Barabfindung in Höhe von 75,5 Millionen US-Dollar vor, gekoppelt an eine allgemeine Verzichtserklärung sowie die Erstattung von Anwaltskosten von bis zu 50.000 US-Dollar.
Im Gegenzug verfallen alle noch ausstehenden aktienbasierten Vergütungen des scheidenden Managers. Mit der Bündelung der Führungskompetenzen bei Thomas Appio strafft der Mehrheitsaktionär die Kontrolle, während Anleger nun auf die detaillierten Zahlen und die neuen Prognosemarken Ende Oktober warten.
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