Ausgangslage
BASF hat mit dem Halbjahresbericht Ende Juli eine überraschend kräftige Ergebniserholung dokumentiert: Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 stieg auf 17,2 Milliarden Euro, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte 2,4 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem Analystenkonsens von 2,1 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hob der Vorstand die Ergebnisprognose an – auf eine Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBITDA vor Sondereinflüssen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro.
Zusätzlich flossen dem Konzern durch den im Juni abgeschlossenen Verkauf des Coatings-Geschäfts an Carlyle 3,9 Milliarden Euro Veräußerungsgewinn vor Steuern zu, was das Ergebnis nach Steuern im ersten Halbjahr auf 5,1 Milliarden Euro trieb.
Parallel dazu läuft seit dem 3. August ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarde Euro, das bis Ende April 2027 laufen soll und Teil des im September 2024 angekündigten Gesamtvolumens von 4 Milliarden Euro bis Ende 2028 ist.
Diese Kombination aus operativer Verbesserung, Portfoliobereinigung und Kapitalrückführung ist der Grund, warum die Aktie derzeit im Fokus steht – und warum die Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Entwicklung jetzt entscheidend wird.
Die entscheidende Frage
Der zentrale Streitpunkt unter Beobachtern lautet: Sind die gestiegenen Preise und Absatzmengen in der Chemiesparte tragfähig, oder handelt es sich um einen temporären Sondereffekt?
Mehrere Analysten verwiesen bereits Mitte Juli darauf, dass sich viele Basischemikalien wieder auf das Niveau vor dem Iran-Konflikt einpendeln und enttäuschende chinesische Wachstumsdaten auf eine nachlassende Nachfrage hindeuten könnten.
Ob die im zweiten Quartal beobachtete Stärke also strukturell ist oder auslaufende Sondereffekte widerspiegelt, entscheidet maßgeblich darüber, ob die angehobene Jahresprognose Bestand hat.
Bullisches Szenario
Sollte sich die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren, spricht einiges für eine Fortsetzung der positiven Dynamik. Der Konzern hat mit dem Coatings-Verkauf und der geplanten Veräußerung des Silikatgeschäfts an PQ sein Portfolio gezielt verschlankt und Mittel für Rückkäufe sowie Investitionen freigesetzt – etwa in das neue Climate Center am Agrarstandort Limburgerhof, das die Zulassungsforschung für Pflanzenschutzmittel stärken soll.
UBS-Analyst Christian Bell hob sein Kursziel am 31. Juli auf 55 Euro an und begründete dies mit erhöhten Gewinnschätzungen und einer aus seiner Sicht stabilen Nachfrage bis in die zweite Jahreshälfte hinein. Bestätigt sich dieses Bild, hätte der Konzern sowohl die operative Basis als auch die Kapitalstruktur, um die Rückkaufserie bis 2028 durchzuziehen.
Bärisches Risiko
Dem steht eine deutlich skeptischere Lesart gegenüber. Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro senkte sein Kursziel am 29. Juli von 49 auf 44 Euro und bezeichnete die Erwartungen an das zweite Halbjahr als überzogen – die Risiken lägen vor allem in der Frage, ob sich die Preis- und Absatzentwicklung fortsetzen lässt.
JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi bestätigte am gleichen Tag seine Underweight-Einstufung mit Kursziel 40 Euro und verwies darauf, dass der Konzern im zweiten Quartal auch von Sondereffekten profitiert habe.
Sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten, würde die aktuelle Ergebnisstärke nicht als nachhaltiger Trend, sondern als Momentaufnahme in die Bücher eingehen – mit entsprechendem Korrekturpotenzial für die angehobene Guidance.
Ausblick
Die Aktie bewegt sich aktuell bei 50,11 Euro und damit rund 9 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das im April markiert wurde – ein Abstand, der zeigt, dass der Markt die jüngste Erholung noch nicht vollständig honoriert hat.
Solange die Nachfrage nach Basischemikalien stabil bleibt und die angehobene Jahresprognose bestätigt wird, dürfte das Rückkaufprogramm die Aktie zusätzlich stützen. Kippt dagegen die Preisdynamik, wie es Jefferies und JPMorgan erwarten, dürfte sich die Diskussion um Sondereffekte verschärfen und die Bewertungslücke zum Jahreshoch eher wachsen als schließen.
Der nächste konkrete Prüfstein sind die Zahlen zum dritten Quartal, die zeigen müssen, ob sich die im zweiten Quartal beobachtete Stärke fortsetzt oder ob sich die skeptischeren Stimmen bestätigen.
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