Ausgangslage
BASF hat binnen wenigen Monaten sein Portfolio kräftig umgebaut. Ende Juni schloss der Konzern den Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle ab und verbuchte dafür einen Veräußerungsgewinn nach Steuern von 3,5 Milliarden Euro.
Die EU-Kommission hatte die Transaktion im Juni unter Auflagen genehmigt – Carlyle muss das weltweite Polysulfid-Geschäft von Nouryon abstoßen. Parallel dazu vereinbarte BASF im Mai den Verkauf des Silikatgeschäfts inklusive des Standorts Düsseldorf an PQ, der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet. Im März übernahm die Agrarsparte zudem das Biologika-Unternehmen AgBiTech.
Diese Bewegungen sind mehr als Bilanzkosmetik. Sie flankieren den weiter verfolgten Plan, die Agrarsparte Agricultural Solutions bis 2027 an die Frankfurter Börse zu bringen – ein Vorhaben, das Anleger bereits kennen.
Neu und für die aktuelle Bewertung entscheidend ist die operative Entwicklung: Mitte Juli meldete BASF für das zweite Quartal ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,4 Milliarden Euro, deutlich über dem Analystenkonsens, bei einem um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro gestiegenen Umsatz.
Der Konzern hob daraufhin die Jahresprognose an: Statt 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro rechnet das Management nun mit 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBITDA vor Sondereinflüssen. Diese Anhebung ist der eigentliche Treiber, warum der Kurs seit dem Sommer spürbar an Boden gewonnen hat.
Die entscheidende Frage
Für die kommenden Wochen läuft alles auf eine Frage zu: Trägt das operative Momentum aus dem zweiten Quartal bis in die Zahlen für das dritte Quartal hinein, die am 28. Oktober vorgestellt werden? Die Guidance-Anhebung war kein Randereignis, sondern ein Signal, dass sich Nachfrage und Margen im Kerngeschäft stabilisieren.
Ob dieser Trend anhält, entscheidet, ob die aktuelle Bewertung – der Kurs notiert mit 52,28 Euro rund 5,0 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, aber 26 Prozent über dem Tief von 41,55 Euro – fundamental gerechtfertigt ist oder ob sie bereits Vorschusslorbeeren enthält.
Bullisches Szenario
Setzt sich die Erholung fort, sprechen mehrere Faktoren für weiteres Aufwärtspotenzial. Der Konzern hat mit dem Verkauf von Coatings und Silikaten Kapital freigesetzt, das in das im Juli beschlossene Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarden Euro fließt, das von August 2026 bis Ende April 2027 läuft.
Bereits zwischen November 2025 und Juni 2026 kaufte BASF Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro zurück; 31,6 Millionen Aktien, rund 3,5 Prozent des Grundkapitals, werden eingezogen. Zusätzlich plant der Konzern für das dritte Quartal die vorzeitige Rückzahlung von Anleihen und Darlehen im Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro – ein Schritt, der die Finanzierungskosten senken würde.
Hält die operative Stärke an, könnte der geplante Börsengang der Agrarsparte 2027 zusätzlichen Wert für die verbleibenden Aktionäre heben, da der Konzern dann schlanker und fokussierter aufgestellt wäre.
Bärisches Risiko
Die Kehrseite: Ein einzelnes starkes Quartal ist noch kein gesicherter Trend. Die Anhebung der Jahresprognose beruht auf einer Spanne, deren untere Grenze mit 6,9 Milliarden Euro nur moderat über dem alten Zielkorridor liegt – ein konjunktureller Rückschlag in der Chemienachfrage könnte die obere Guidance-Grenze schnell unerreichbar machen.
Zudem bindet der laufende Portfolioumbau Managementkapazität und Transaktionsrisiken: Der Silikatverkauf an PQ ist zum jetzigen Zeitpunkt vereinbart, aber noch nicht vollzogen, der Abschluss steht für die zweite Jahreshälfte aus.
Auch der Agrar-Börsengang ist bislang eine Absicht mit Zeithorizont 2027, kein beschlossener Termin – Verzögerungen oder ein ungünstiges Marktumfeld könnten das Vorhaben verschieben. Schließlich notiert der Kurs mit 5,6 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 49,51 Euro bereits spürbar über kurzfristigen Trendlinien, was Rücksetzer bei enttäuschenden Nachrichten wahrscheinlicher macht.
Ausblick
Solange BASF die im Juli angehobene Guidance-Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBITDA vor Sondereinflüssen bestätigen oder gar übertreffen kann, dürfte die Aktie ihre relative Stärke gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 48,68 Euro – aktuell 7,4 Prozent darüber – verteidigen.
Kippt die Nachfrage im Kerngeschäft dagegen ab oder verzögert sich einer der laufenden Verkäufe, würde die Bewertung rasch wieder in Richtung der Jahresmitte-Niveaus rutschen. Der nächste konkrete Prüfstein ist die Telefonkonferenz zu den Q3-2026-Zahlen am 28. Oktober – erst dann zeigt sich, ob das zweite Quartal ein Wendepunkt oder ein Ausreißer war.
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