Im Werben um den Essener Spezialchemiekonzern Evonik zeichnet sich eine Verschärfung der Verhandlungen ab. Nach einem ersten abgelehnten Vorstoß erwägt BASF nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, das Übernahmeangebot im Rahmen formeller Gespräche aufzubessern.
Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten, dass der Ludwigshafener Konzern zu einem höheren Gebot bereit sei. Die BASF-Aktie ging am Freitag bei 51,63 Euro aus dem Handel, was auf Jahressicht einem Zuwachs von 16 Prozent entspricht.
Widerstand bei der Erstbewertung
Evonik hatte im September Vorgespräche über eine mögliche Übernahme eingeräumt, formelle Verhandlungen wurden bisher jedoch nicht aufgenommen. Eine frühere Offerte von 22,15 Euro je Evonik-Aktie stieß auf Ablehnung.
Dieser Vorschlag bewertete den Konkurrenten mit mehr als 10,3 Milliarden Euro für alle ausstehenden Anteile. Für BASF wäre die Transaktion einer der größten Zukäufe der vergangenen Jahre.
Schlüsselakteur auf der Gegenseite ist die RAG-Stiftung. Ein Verkauf der Anteile erfordert zwingend die Zustimmung ihres Kuratoriums, dem unter anderem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst angehört. Aus Düsseldorf hieß es Anfang der Woche, eine Übernahme dürfe weder Arbeitsplätze noch die eigenständige Entwicklung gefährden. Eine Entscheidung des Gremiums steht bislang aus.
Kritik an staatlicher Intervention
Unterdessen schaltete sich die Politik in die Übernahmedebatte ein. Nachdem die SPD einen Einstieg des Landes Nordrhein-Westfalen zur Abwehr der Ludwigshafener ins Gespräch gebracht hatte, warnte der Bund der Steuerzahler vor solchen Schritten. Ein staatliches Engagement berge unkalkulierbare finanzielle Risiken, ohne Beschäftigung langfristig zu sichern, erklärte NRW-Verbandschef Rik Steinheuer gegenüber der Rheinischen Post.
Steinheuer äußerte sich zudem kritisch zu Gedankenspielen über einen möglichen Aktientausch, bei dem die RAG-Stiftung ihre Evonik-Papiere gegen BASF-Aktien eintauschen könnte. Dadurch bliebe das Klumpenrisiko innerhalb der Chemiebranche für die Stiftung bestehen, anstatt das Vermögen zur Absicherung von Ewigkeitslasten breiter zu diversifizieren.
Die Marktkapitalisierung von BASF beläuft sich aktuell auf 44,57 Milliarden Euro. Ob BASF die Übernahmeofferte nun offiziell anhebt, hängt maßgeblich von den Signalen der Essener Stiftung ab.
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