Ausgangslage
Der Ludwigshafener Chemiekonzern treibt seine tiefgreifende Neuausrichtung mit hoher Geschwindigkeit voran. Nach dem Verkauf des Coatings-Geschäfts für einen Unternehmenswert von 7,7 Milliarden Euro und einem Mittelzufluss von 5,8 Milliarden Euro vor Steuern steht nun die Agrarsparte im Mittelpunkt.
Medienberichten zufolge sind im September bereits 80 Prozent des weltweiten Geschäfts von Agricultural Solutions auf eigenständige Gesellschaften übertragen worden.
Die Börsenreife wird für Mitte 2027 angestrebt, die Notierung soll als Societas Europaea in Frankfurt erfolgen.
Für Investoren gewinnt dieser Umbau genau jetzt an Brisanz: Die strategischen Weichenstellungen trennen profitable Spezialgeschäfte vom klassischen Chemiekerngeschäft ab. Gestern schloss die Aktie bei 51,74 Euro, was einem Wertzuwachs von 16 Prozent seit Jahresanfang entspricht.
Die entscheidende Frage
Für den weiteren Kursverlauf steht eine fundamentale Frage im Raum: Reichen die milliardenschweren Mittelzuflüsse und die operative Erholung im Kerngeschäft aus, um die Abhängigkeit von zyklischen Absatzmärkten dauerhaft abzufedern?
Der Konzern lieferte im zweiten Quartal 2026 beachtliche Zahlen ab. Dieses Wachstum speiste sich sowohl aus einem Preisanstieg von 11,5 Prozent als auch aus einem Mengenzuwachs von 7,3 Prozent.
Das Management hob die Jahresprognose an. Anleger müssen nun beurteilen, ob diese Dynamik ein nachhaltiger Trend oder eine vorübergehende Erholung darstellt.
Bullisches Szenario
Im optimistischen Fall geht die Rechnung des Managements vollständig auf. Der Konzern wandelt sich erfolgreich von einem schwerfälligen Verbundunternehmen zu einer flexibleren Holdingstruktur mit fokussierten Einheiten. Die Einbehaltung von 40 Prozent an Surventis sichert weiterhin Beteiligungserträge am früheren Lackgeschäft, während der Mittelzufluss die Bilanz massiv stärkt.
Gleichzeitig stärkt BASF die Ertragskraft der verbleibenden Sparten. Im Agrarbereich ergänzt seit Ende März die Übernahme des Unternehmens AgBiTech das Portfolio um biologische Insektenkontrolllösungen.
Sollte der geplante Börsengang dieser Sparte wie projektiert bis Mitte 2027 gelingen, winkt eine erhebliche Hebung verborgener Werte. Zusammen mit dem im August gestarteten Aktienrückkaufprogramm über 1,0 Milliarde Euro bietet die Kapitalrückführung den Anteilseignern zusätzliche Unterstützung.
Bärisches Szenario/Risiko
Auf der Kehrseite stehen beachtliche operative und marktbezogene Risiken. Die Aufspaltung erfordert komplexe interne Trennungsprozesse, darunter die Einführung eines eigenständigen ERP-Systems für die Agrarsparte. Solche Großprojekte bergen erhebliche Reibungsverluste und administrative Kosten, die das operative Geschäft belasten können.
Zudem verliert BASF mit der teilweisen Abgabe stabiler Geschäftsfelder wertvolle Puffer gegen zyklische Schwankungen. Gelingt es nicht, die Volumensteigerungen im klassischen Chemiegeschäft bei schwächerer Weltkonjunktur aufrechtzuerhalten, geraten die Margen schnell wieder unter Druck.
Auch das Marktumfeld für Neuemissionen birgt Unwägbarkeiten: Sollte sich das Börsenklima bis 2027 eintrüben, könnte der geplante Teilbörsengang der Agrarsparte zu deutlich ungünstigeren Konditionen erfolgen als erhofft.
Ausblick
Aus charttechnischer Sicht verläuft die Konsolidierung in geordneten Bahnen. Solange der Kurs über dem 50-Tage-Durchschnitt von 50,73 Euro verharrt, bleibt die übergeordnete Aufwärtsbewegung seit Jahresbeginn intakt. Kippt die Notierung hingegen nachhaltig unter diese Unterstützungslinie, droht eine Ausweitung der jüngsten Konsolidierungsphase in Richtung tieferer Haltezonen.
Für Klarheit über die operative Verfassung dürften die kommenden Monate sorgen. Diese Termine bilden die nächsten handfesten Katalysatoren für die Richtungsentscheidung der Aktie.
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