BASF treibt am heutigen Donnerstag parallel mehrere strategische Linien voran: eine neue Umweltinitiative für die Kunststoffsparte, den Rückkauf eigener Aktien und den Abbau von Schulden. Der Chemiekonzern verknüpft damit operative Neuerungen mit der laufenden Kapitalrückführung an die Aktionäre.
Grüne Produktion ohne neue Produktspezifikationen
Gestern stellte BASF die Initiative „Green Energy Manufacturing“ für seine Kunststoffsparte vor. Kunden wie Bosch und Eaton sollen damit ihren Product Carbon Footprint senken können, indem BASF in der Produktion verstärkt erneuerbare Energien einsetzt. Die Produktspezifikationen selbst bleiben unverändert – der CO2-Vorteil entsteht allein über die Herstellung, nicht über eine veränderte Materialzusammensetzung. Für Abnehmer in der Automobil- und Elektroindustrie, die zunehmend Nachweise über die Lieferkette verlangen, ist das ein Argument, ohne technische Anpassungen an eigenen Fertigungsprozessen vornehmen zu müssen.
Rückkauf läuft, Entschuldung im Fokus
Bereits am Montag ist das offiziell angekündigte Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 1,0 Milliarden Euro gestartet. Eine unabhängige Bank wickelt die Käufe ab, abgeschlossen werden soll das Programm spätestens bis zum 30. April 2027. Parallel dazu will der Konzern laut Medienberichten im dritten Quartal Anleihen und Darlehen im Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen. Ziel ist die Stärkung des Single-A-Ratings – ein Signal an Fremdkapitalgeber, dass BASF trotz der Ausgaben für Rückkäufe und Investitionen an seiner Bonität festhält.
Ein Analysehaus reagierte gestern auf das gemischte Bild aus Wachstum und Kapitaldisziplin und hob das Kursziel für die BASF-Aktie von 47,00 auf 50,00 Euro an, beließ die Einstufung jedoch bei „Hold“. Die moderate Anhebung deutet darauf hin, dass die operative Erholung inzwischen weitgehend im Kurs abgebildet ist.
Zahlen liefern die Basis
Die jüngste Kapitalpolitik stützt sich auf spürbar verbesserte operative Zahlen. Im endgültigen Halbjahresbericht, vorgelegt am 29. Juli, wies BASF für das zweite Quartal einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro aus, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro, nach 1,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal – getragen von höheren Preisen (+11 Prozent) und größeren Absatzmengen (+7 Prozent). Bereits am 15. Juli hatte der Konzern per Ad-hoc-Mitteilung die Jahresprognose angehoben: Das EBITDA vor Sondereinflüssen soll 2026 zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro liegen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Die Prognose für den Free Cashflow blieb mit 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro unverändert.
Zusätzlichen finanziellen Spielraum brachte der am 1. Juli abgeschlossene Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle, aus dem BASF im zweiten Quartal einen Veräußerungsgewinn von rund 3,9 Milliarden Euro verbuchte. Der Vorstand hatte zudem beschlossen, gut 31,6 Millionen bereits zurückgekaufte Aktien – etwa 3,5 Prozent des Grundkapitals – einzuziehen, die zwischen November 2025 und Juni 2026 für rund 1,5 Milliarden Euro erworben worden waren.
Aktie bleibt unter Rekordhoch
An der Börse notierte die BASF-Aktie zuletzt bei 50,64 Euro und liegt damit rund 8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro aus dem April. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von knapp 14 Prozent zu Buche. Anleger werten die Kombination aus steigenden operativen Ergebnissen, laufender Entschuldung und fortgesetzten Rückkäufen offenkundig positiv, auch wenn das jüngst angehobene Kursziel von 50 Euro kaum noch Luft nach oben signalisiert. Die nächste Standortbestimmung liefert die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal, die BASF für den 28. Oktober angesetzt hat.
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