Die Übernahmepläne für Evonik stoßen auf Skepsis aus den eigenen Reihen. Die Gewerkschaft IGBCE hat sich mit einem dreiseitigen Brief an die Betriebsräte beider Konzerne gewandt und mahnt zur Besonnenheit. Gleichzeitig äußerte sich BASF-Chef Markus Kamieth erstmals öffentlich zum Thema.
IGBCE stellt unbequeme Fragen
„Größer ist nicht automatisch besser, und ein bloßes Weiter-so auch nicht“, schreiben IGBCE-Chef Michael Vassiliadis und Hauptvorstandsmitglied Alexander Bercht. Schnellschüsse dürfe es nicht geben. Der Druck auf deutsche Standorte und Arbeitsplätze sei unvermindert hoch.
Der Brief richtet Fragen an beide Unternehmen und an die RAG-Stiftung, die mit rund 43 Prozent größte Evonik-Aktionärin. BASF soll darlegen, welches Zukunftsangebot es Beschäftigten und Standorten macht. Evonik muss erklären, wie eine verbindliche Zukunft aus eigener Kraft aussieht und wann die strategischen Initiativen folgen, für die der harte Personalabbau die Grundlage schaffen sollte.
Heikel ist vor allem die Rolle der Stiftung. Ohne die Evonik-Dividende müsste sie ihr übriges Vermögen deutlich erfolgreicher anlegen als bisher, wie die Gewerkschafter anmerken. Wie das gelingen soll, sei nicht dargelegt.
Die beiden Verfasser sitzen selbst in den Gremien der Beteiligten. Vassiliadis gehört dem BASF-Aufsichtsrat und dem Stiftungskuratorium an, Bercht ist stellvertretender Aufsichtsratschef von Evonik.
Kamieth sieht Konsolidierungschance
Kamieth äußerte sich auf dem Deutschland-Gipfel in Berlin nur grundsätzlich. Die Chemiebranche könnte vor einer Phase verstärkter Zusammenschlüsse stehen. „Als Marktführer wollen wir unsere Chancen dabei nutzen“, sagte er. Eine Kombination mit einem starken Spezialchemie-Anbieter ergebe „sehr viel Sinn“, zumal BASF seine Kompetenz in der Basischemie einbringen könne.
Zum konkreten Vorgang nahm er keine Stellung. Evonik hatte die unverbindliche Ansprache, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien zielt, zuvor abgelehnt. Die Offerte liegt bei 22,15 Euro je Aktie, insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Gespräche finden derzeit nicht statt, BASF selbst nennt den Ausgang der Sondierungen offen.
Aktie im Wartemodus
Die BASF-Aktie notiert bei rund 51 Euro und bewegt sich in einer neutralen Spanne. Charttechnisch gilt die Marke von 52,70 Euro als Hürde nach oben, die 200-Tage-Linie bei 49,76 Euro als wichtige Unterstützung. Ein Bruch unter diese Linie könnte Verkaufsdruck auslösen, ein nachhaltiger Ausbruch nach oben weiteres Potenzial eröffnen.
Fundamental bleibt die Dividendenrendite mit prognostizierten 4,4 Prozent für 2026 ein Argument. Die Marktkapitalisierung liegt bei knapp 44 Milliarden Euro, Evonik kommt auf etwa 9,2 Milliarden Euro. Bewegung in die Sache bringt erst eine Entscheidung der RAG-Stiftung, ohne deren Anteil ein Übernahmeangebot kaum zu stemmen wäre.
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