Der mögliche Griff nach Evonik wird zur Landespolitik. Nach der Regierung in Düsseldorf hat sich nun auch der Landtag in Nordrhein-Westfalen mit dem Übernahmeangebot befasst. Die Botschaft aus der CDU fiel deutlich aus: BASF sei hier „nicht der richtige Spieler im System“.
Politik will Standorte absichern
Ende September hatten BASF, Evonik und die RAG-Stiftung, größte Anteilseignerin des Essener Spezialchemiekonzerns, das Angebot öffentlich gemacht. Auf Initiative der SPD debattierte der Landtag darüber. Fraktionschef Jochen Ott nannte eine Übernahme „mehr als einen gewöhnlichen Börsendeal“ und sprach von einer industriepolitischen Wendung mit weitreichenden Folgen für das Land.
Die SPD sieht vor allem das Risiko eines Stellenabbaus. Sie fordert verbindliche Zusagen für Beschäftigung und Standorte, und zwar nicht für wenige Monate, sondern mit langfristiger Perspektive. Ott verlangt zudem eine belastbare Investitionszusage für die NRW-Standorte.
Ein Zusammenschluss dürfe nicht der Auftakt zu einer schrittweisen Verlagerung zentraler Unternehmensfunktionen werden. Ministerpräsident Hendrik Wüst solle sich persönlich um die „Schicksalsfrage fürs Ruhrgebiet“ kümmern.
Die Regierungsseite positioniert sich eindeutig. CDU-Politiker Björn Franken verwies darauf, dass sich Landesregierung und Ministerpräsident klar zu den Evonik-Standorten und zum Erhalt des Unternehmens bekannt hätten.
Ein höheres Gebot steht im Raum
Finanziell ist das Bild offener. Insiderberichten zufolge wies Evonik einen ersten Vorstoß von 22,15 Euro je Aktie als zu niedrig zurück. BASF soll grundsätzlich bereit sein, nachzulegen. Zuvor will der Konzern allerdings einen genaueren Blick in die Bücher des Spezialchemiekonzerns werfen.
Die Evonik-Aktie gab am Mittwoch ihre Vormittagsgewinne wieder ab und notierte weiter unter der ersten Offerte. Der Markt traut einem erfolgreichen Abschluss zu den ursprünglichen Konditionen offenbar nicht zu viel zu. Politischer Widerstand dürfte den Preis eines möglichen Deals zusätzlich beeinflussen, etwa über Auflagen zu Standorten und Beschäftigung.
Für BASF gilt damit: Ein höheres Gebot ist denkbar, aber nur nach der Buchprüfung. Und selbst dann müsste der Konzern Düsseldorf sowie die RAG-Stiftung überzeugen, deren Votum bei Evonik großes Gewicht hat. Verbindliche Standortzusagen könnten dabei zur Eintrittskarte für weitere Gespräche werden.
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