Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hat sich binnen eines Monats drastisch gedreht – und BASF gehört zu den größten Profiteuren an diesem Freitag. Das Ifo-Geschäftsklima für die Chemiebranche kletterte im August auf minus 2,4 Punkte, nach minus 26,3 Punkten im Juli.
Die Geschäftslage-Komponente drehte erstmals seit vier Jahren ins Positive und stieg auf plus 11,6 Punkte, während die Erwartungen mit minus 15,5 Punkten noch verhalten bleiben.
Der Chemiesektor an der Frankfurter Börse reagierte prompt. BASF legte am Freitagmittag um 1,4 Prozent auf 52,25 Euro zu, in einer weiteren Momentaufnahme stand die Aktie sogar 1,7 Prozent im Plus. Auch Wettbewerber zogen mit: Lanxess sprang um mehr als fünf Prozent nach oben und führte zeitweise die MDax-Gewinnerliste an, Brenntag gewann gut zwei Prozent.
Branchenweite Erholung nach schwierigen Monaten
Der eigentliche Auslöser für den Kursschub liegt in den Zahlen selbst: Nach Monaten tiefer Verunsicherung meldet die deutsche Chemieindustrie erstmals wieder eine mehrheitlich positive Lagebeurteilung. Für Anleger ist das ein Signal, dass sich die Nachfragesituation in einem der zyklischsten deutschen Industriezweige stabilisiert.
Der Gesamtumsatz der Branche lag 2025 bei 230 Milliarden Euro, die Exporte im ersten Halbjahr 2026 bei 71,6 Milliarden Euro und damit 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch geopolitische Faktoren spielen eine Rolle: Die Zuspitzung an der Straße von Hormus hat laut Berichterstattung die Nachfrage nach bestimmten chemischen Erzeugnissen zusätzlich gestützt.
Flankiert wurde die positive Branchenstimmung von einem insgesamt freundlichen Marktumfeld. Der Dax näherte sich am Freitag mit rund 26.500 Punkten seinem Rekordhoch, während Anleger gespannt auf die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am Nachmittag in Jackson Hole blickten.
Am Devisen- und Rentenmarkt blieb die Erwartungshaltung verhalten: Eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September war nur mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 30 bis 40 Prozent eingepreist.
Kurs nähert sich wieder dem Jahreshoch
Der jüngste Rückenwind zeigt sich auch im Chartbild. Die BASF-Aktie notiert aktuell bei 52,22 Euro und damit 5,1 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das im April markiert wurde.
Zum 52-Wochen-Tief von 41,55 Euro aus dem Oktober beträgt der Abstand hingegen 26 Prozent – ein Beleg für die deutliche Erholung seit dem Herbst-Tief. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent, auf Zwölfmonatssicht ein Anstieg von 14 Prozent.
Für Anleger dürfte die entscheidende Frage sein, ob sich die Aufhellung im Ifo-Index als nachhaltiger Trend erweist oder nur eine Momentaufnahme bleibt. Die Erwartungskomponente des Index liegt trotz der starken Verbesserung noch klar im negativen Bereich, was auf anhaltende Vorsicht bei den mittelfristigen Aussichten hindeutet.
Solange sich die Lagebeurteilung aber weiter stabilisiert, dürfte das Sentiment für BASF als größten deutschen Chemiekonzern ein stützender Faktor bleiben.
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