BASF schraubt die eigenen Erwartungen nach oben und schüttet parallel Kapital an die Aktionäre aus. Der Chemiekonzern kündigte an, im August ein Aktienrückkaufprogramm über 1,0 Milliarde Euro zu starten, das bis Ende April 2027 laufen soll. Es ist der nächste Baustein eines Gesamtvolumens von 4 Milliarden Euro, das der Ludwigshafener Konzern bis Ende 2028 an die Kapitalmärkte zurückgeben will. Der Schritt fällt in eine Phase, in der BASF operativ deutlich besser dasteht als noch vor einem Jahr.
Starkes zweites Quartal treibt die Prognose
Am 15. Juli hatte BASF vorläufige Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht, die den Markt überrascht haben. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, nach 14,8 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erreichte 2,4 Milliarden Euro und lag damit deutlich über der Analystenschätzung von Vara mit 2,1 Milliarden Euro sowie klar über dem Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro. Getragen wurde das Wachstum von höheren Preisen, die im Quartal um 11,5 Prozent zulegten, und einem Mengenwachstum von 7,3 Prozent.
Auf Basis dieser Entwicklung hob BASF die Guidance für das Gesamtjahr 2026 an: Das EBITDA vor Sondereinflüssen soll nun zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro liegen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Der Ausblick für den freien Cashflow bleibt mit 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro unverändert. Am 29. Juli bestätigte der Konzern diese Anhebung noch einmal ausdrücklich und bezeichnete das Ergebnis als deutlich über dem Analystenkonsens liegend.
Portfolio-Umbau bringt frisches Kapital
Die finanzielle Basis für Rückkauf und Investitionen stammt auch aus dem Portfolio-Umbau der vergangenen Wochen. Ende Juni schloss BASF den Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle ab, mit einem Unternehmenswert von 7,7 Milliarden Euro. Der Zahlungsmittelzufluss vor Steuern belief sich auf rund 5,8 Milliarden Euro. BASF hält an dem ausgegliederten Geschäft, das nun unter dem Namen Surventis firmiert, weiterhin eine Beteiligung von 40 Prozent. Zusätzlich vereinbarte BASF im Mai den Verkauf des Silikatgeschäfts sowie zugehöriger Vermögenswerte am Standort Düsseldorf-Holthausen an PQ; der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
Analysten reagieren auf die Zahlen
Die überraschend starken Quartalszahlen sorgten am 31. Juli für eine Serie von Kurszielanhebungen. UBS-Analyst Christian Bell hob das Kursziel von 52 auf 55 Euro an und beließ die Einstufung bei Neutral; er verwies auf höhere Gewinnschätzungen und eine bis in die zweite Jahreshälfte stabile Nachfrage. Berenberg-Analyst Sebastian Bray erhöhte sein Kursziel von 47 auf 50 Euro und bestätigte die Einstufung Hold. Er sprach von einem „guten vollständigen Quartalsbericht“.
Niedrigwasser am Rhein als operatives Risiko
Neben der positiven Geschäftsentwicklung rückt ein logistisches Problem in den Blick: Der Rhein-Pegel bei Kaub fiel Anfang August auf 24 Zentimeter, den niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen 1880. Für BASF ist das relevant, weil rund 40 Prozent der Güter für das Stammwerk Ludwigshafen per Schiff transportiert werden. Der Konzern hat laut Medienberichten bereits Teile der Transporte auf Lkw und Bahn umgestellt. Berichten zufolge sind weitere Maßnahmen nötig, etwa der Ausbau von Fahrrinnen, zusätzliche Lagerkapazitäten und priorisierte Schienenwege – andernfalls drohen Produktionsdrosselungen. Wie stark sich die Niedrigwassersituation tatsächlich auf die Rohstoffversorgung auswirkt, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
Vorstandswechsel zum Monatsbeginn Mai
Auf Personalebene hatte BASF bereits zum 1. Mai zwei neue Mitglieder in den Vorstand berufen: Mary Kurian, die seit 2023 den Unternehmensbereich Care Chemicals leitet, und Livio Tedeschi, der seit 2022 das Segment Agricultural Solutions führt und dieses nun im Vorstand verantwortet. Michael Heinz ging planmäßig in den Ruhestand.
Kursreaktion am Markt
Der Kurs honoriert die Nachrichtenlage: BASF schloss am Freitag bei 51,48 Euro, ein Plus von 1,18 Prozent. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 15,87 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, erreicht im April, fehlen der Aktie derzeit noch 6,49 Prozent.
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