BASF: 31,6 Millionen Aktien eingezogen

BASF kündigt Aktienrückkauf über eine Milliarde Euro an und hebt nach starkem Quartal die Jahresprognose an. Analysten reagieren unterschiedlich.

Auf einen Blick:
  • Rückkaufprogramm im Wert von einer Milliarde Euro
  • Quartalsgewinn erreicht historischen Höchststand
  • Jahresprognose nach oben korrigiert
  • Uneinheitliche Analystenurteile zum Kursziel

BASF hat im August ein neues Kapitel seines Rückkaufprogramms aufgeschlagen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern kauft bis Ende April 2027 eigene Aktien im Wert von bis zu 1,0 Milliarden Euro zurück, anschließend werden die Papiere eingezogen und das Grundkapital entsprechend herabgesetzt. Der Startschuss fällt zusammen mit einer angehobenen Jahresprognose und einem historisch hohen Quartalsgewinn – ein Doppelsignal, das die Aktie zuletzt gestützt hat. Am heutigen Freitag steht das Papier bei 51,30 Euro und legt um 0,83 Prozent zu, binnen 30 Tagen hat sich der Kurs um 7,66 Prozent verteuert.

Aktienrückkaufprogramm nimmt Fahrt auf

Das aktuelle Programm ist Teil eines im September 2024 angekündigten Gesamtvolumens von 4 Milliarden Euro, das bis Ende 2028 laufen soll. Zwischen November 2025 und Juni 2026 hatte BASF bereits Aktien im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro erworben. Insgesamt sollen nun 31.600.261 Aktien eingezogen werden, das entspricht etwa 3,5 Prozent des Grundkapitals. Für Anleger bedeutet das eine spürbare Verknappung der ausstehenden Aktien und damit potenziell steigende Gewinne pro Anteil.

Starkes Quartal treibt Prognoseanhebung

Grundlage für die Kapitalrückführung ist ein außergewöhnlich starkes zweites Quartal. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, nach 14,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro und übertraf damit sowohl den Analystenkonsens von Vara mit 2,1 Milliarden Euro als auch das Vorjahresquartal mit 1,6 Milliarden Euro deutlich. Das Ergebnis nach Steuern schoss auf 4,2 Milliarden Euro, nach lediglich 108 Millionen Euro im Vorjahresquartal – getrieben von einem Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts in Höhe von 3,5 Milliarden Euro nach Steuern.

Auf Basis dieser Zahlen hob BASF Ende Juli den Ergebnisausblick für das Gesamtjahr an. Erwartet wird nun ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro, zuvor lag die Spanne bei 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Die Anhebung signalisiert, dass der Konzern trotz eines herausfordernden europäischen Chemieumfelds operativ an Fahrt gewinnt.

Portfolioumbau und Schuldenabbau

Der Gewinnsprung im zweiten Quartal ist eng mit dem Umbau des Portfolios verknüpft. Ende Juni vollzog BASF den Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle, die Transaktion hatte einen Unternehmenswert von 7,7 Milliarden Euro. Die Europäische Kommission hatte die Übernahme im Juni unter der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt, verpflichtete Carlyle im Gegenzug jedoch, das globale Polysulfide-Geschäft von Nouryon zu veräußern, um den Wettbewerb in der Aerospace-Dichtstoffbranche zu schützen.

Die frischen Mittel aus dem Verkauf fließen sichtbar in die Bilanzpflege. BASF kündigte an, im dritten Quartal Anleihen und Darlehen mit einem Nominalvolumen von 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Zusammen mit dem Aktienrückkauf ergibt sich damit eine klare Kapitalallokations-Strategie: Entschuldung auf der einen, Ausschüttung an Aktionäre auf der anderen Seite.

Analysten reagieren auf die Zahlen

Die Reaktionen der Analysehäuser fielen unterschiedlich aus. UBS-Analyst Christian Bell hob das Kursziel am 31. Juli von 52 auf 55 Euro an und erhöhte seine Gewinnschätzungen, beließ die Einstufung jedoch bei Neutral. Berenberg-Analyst Sebastian Bray erhöhte sein Kursziel bereits am 29. Juli von 47 auf 50 Euro und sprach von einem „guten vollständigen Quartalsbericht“, stufte die Aktie aber weiterhin nur mit Hold ein. Deutlich skeptischer positionierte sich JPMorgan: Das Haus beließ seine Einschätzung am 31. Juli unverändert bei Underweight mit einem Kursziel von 40 Euro – dem mit Abstand niedrigsten unter den genannten Bewertungen. Die Spanne zwischen 40 und 55 Euro zeigt, wie unterschiedlich der nachhaltige Effekt aus Portfoliobereinigung und operativer Erholung eingeschätzt wird.

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