Barrick Mining hat am Montag Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick keine Fragen offenlassen: Der Nettogewinn kletterte im zweiten Quartal um 50 Prozent auf 1,22 Milliarden Dollar, die Goldproduktion von 796.000 Unzen übertraf die eigene Prognosespanne von 730.000 bis 770.000 Unzen deutlich.
Für mich ist genau diese Kombination aus operativer Stärke und einem parallel gelösten Rechtsstreit mit Newmont der eigentliche Grund, weshalb die Aktie aktuell mehr Vertrauen verdient, als der Kursverlauf der vergangenen Woche vermuten lässt.
Die Einigung mit Newmont zählt mehr als die reine Zahl
1,95 Milliarden Dollar zahlt Newmont an Barrick, damit strittige Claims im gemeinsamen Nevada-Komplex neu geordnet werden. Barrick bringt sein Fourmile-Projekt in die Nevada Gold Mines-Partnerschaft ein, Newmont im Gegenzug die Projekte Mike und Fiberline.
Das Ergebnis: ein knapp 100-Millionen-Unzen-Goldkomplex unter einem Dach. Aus meiner Sicht ist das kein fauler Kompromiss, sondern die Bereinigung eines Unsicherheitsfaktors, der Anleger seit Jahren begleitet hat.
Dass Newmont der geplanten IPO von Barricks nordamerikanischen Assets zugestimmt hat, halte ich für das eigentliche Signal – ohne diese Zustimmung wäre der für Jahresende angepeilte Börsengang unter Mark Hill als künftigem CEO deutlich schwerer zu realisieren gewesen.
Natürlich hat die Transaktion einen Haken, den man nicht wegdiskutieren sollte: TD Cowen senkte am Dienstag das Kursziel von 61 auf 59 Dollar, weil die Einbringung von Fourmile in die Nevada Gold Mines-Struktur nach ihrer Rechnung zu einer Nettoinventarwert-Verwässerung von 4 Prozent führt. Auch BofA Securities reduzierte ihr Ziel, von 56 auf 54 Dollar, bei weiterhin bestehender Kaufempfehlung.
Dem steht National Bank Financial gegenüber, die ihr Kursziel am Mittwoch von 67,50 auf 70 Dollar anhob und an ihrer Einstufung „Outperform“ festhielt. Für mich zeigt diese Spreizung vor allem eines: Die Analysten streiten nicht über die operative Qualität des Quartals, sondern über den fairen Preis für eine Strukturbereinigung, deren strategischer Nutzen erst mittelfristig sichtbar wird.
Kosten steigen, aber die Margen tragen
Wer nur auf die Kostenseite schaut, findet durchaus Diskussionsstoff: Die Herstellungskosten je Unze Gold legten um 20 Prozent auf 1.993 Dollar zu, die All-in-Sustaining-Costs stiegen um 11 Prozent auf 1.866 Dollar. Das ist kein Detail, das man wegwischen sollte.
Doch der realisierte Goldpreis kletterte im gleichen Zeitraum um 34 Prozent auf 4.417 Dollar je Unze – die Preisdynamik hat die Kostensteigerung nicht nur ausgeglichen, sie hat sie klar überkompensiert. Genau deshalb sehe ich die Kostenentwicklung eher als Randnotiz denn als Warnsignal, solange der Goldpreis auf diesem Niveau verharrt.
Bemerkenswert finde ich zudem die Bilanzseite: Barrick wies eine Nettokassenposition von 1,2 Milliarden Dollar aus, gegenüber lediglich 73 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Dazu kommt eine ungenutzte revolvierende Kreditlinie über 3 Milliarden Dollar.
Diese Finanzierungsflexibilität dürfte dem Unternehmen erlauben, das Aktienrückkaufprogramm fortzusetzen – im zweiten Quartal wurden bereits 1,209 Milliarden Dollar aus dem 3-Milliarden-Dollar-Programm eingesetzt – und gleichzeitig eine Quartalsdividende von 0,175 Dollar je Aktie auszuschütten.
Kursbild spiegelt Konsolidierung, nicht Zweifel
Der Blick auf den Kurs relativiert die jüngste Schwäche: Nach einem Plus von 14 Prozent auf 30-Tage-Sicht verlor die Aktie zuletzt auf Wochensicht 5,7 Prozent und schloss am Freitag bei 57,48 kanadischen Dollar, nur leicht über dem 200-Tage-Durchschnitt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 74,00 kanadischen Dollar aus Ende Januar fehlen noch 22 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief von August vergangenen Jahres satte 78 Prozent beträgt. Für mich liest sich das nicht als Vertrauensverlust, sondern als Verschnaufpause nach einer steilen Rally – nachvollziehbar angesichts der Nervosität rund um die Vend-in-Details.
Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für Barrick sprechen: eine bereinigte Nevada-Struktur, ein IPO-Fahrplan mit Rückendeckung des Partners und eine Kostenseite, die vom Goldpreis mehr als kompensiert wird. Die Verwässerungsdebatte der Analysten ist berechtigt, aber sie betrifft aus meiner Sicht die Feinjustierung des fairen Werts – nicht die grundsätzliche Richtung des Unternehmens.
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