Banca Monte dei Paschi di Siena Aktie: 30,6-Milliarden-Angebot von Intesa

Intesa Sanpaolo legt Milliardenofferte für Banca MPS vor, während Politik und Management alternative Fusionspläne schmieden.

Auf einen Blick:
  • Intesa Sanpaolo bietet 30,6 Milliarden Euro
  • MPS-Verwaltungsrat lehnt Angebot ab
  • Toskanische Politiker fordern Treffen mit Rom
  • Fusion mit Banco Bpm als Alternative geplant

Die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist zum Zentrum eines intensiven Übernahmekampfes in der italienischen Bankenlandschaft geworden. Während Intesa Sanpaolo ein Milliardenangebot vorgelegt hat, formiert sich in der Toskana politischer Widerstand gegen einen möglichen Kontrollverlust. Zugleich arbeiten das Management von MPS und der Konkurrent Banco Bpm an alternativen Szenarien, um die Eigenständigkeit des Instituts in einer neuen Struktur zu bewahren.

Intesa Sanpaolo bietet Milliardenbetrag

Der Marktführer Intesa Sanpaolo hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 30,6 Milliarden Euro für das sienesische Geldhaus unterbreitet. Die Offerte sieht vor, dass Anleger pro MPS-Anteilsschein 1,6 Aktien von Intesa sowie eine Barzahlung von einem Euro erhalten. Dies entsprach zum Zeitpunkt der Bekanntgabe einem Aufschlag von 12,5 Prozent. Der Verwaltungsrat von MPS reagierte jedoch ablehnend auf diesen Vorstoß. Medienberichten zufolge kritisiert das Gremium, dass die Prämie im Vergleich zu ähnlichen Transaktionen zu gering ausfalle und die prognostizierten Synergien von 2,9 Milliarden Euro pro Jahr als zu hoch angesetzt seien.

An der Börse spiegelte sich die angespannte Lage zuletzt in einer stabilen Bewertung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 11,62 Euro und notiert damit nur noch hauchdünn unter seinem 52-Wochen-Hoch von 11,65 Euro. Seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 27,32 Prozent zulegen, was die Erwartungen der Investoren an eine baldige Konsolidierung unterstreicht.

Politischer Widerstand aus der Toskana

Auf politischer Ebene sorgt das Übernahmeszenario für erhebliche Unruhe. Gestern forderten die Spitzen der Region Toskana, der Provinz und der Stadt Siena in einem gemeinsamen Brief ein dringendes Treffen mit Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti. Regionalpräsident Eugenio Giani, die Bürgermeisterin von Siena, Nicoletta Fabio, und Provinzpräsident David Carletti äußerten darin ihre tiefe Sorge über die aktuellen Entwicklungen. Sie fordern von der Regierung in Rom, den Verkauf des verbliebenen staatlichen Anteils von 4,863 Prozent zu stoppen.

Die Forderungen der lokalen Institutionen stützen sich auf vier zentrale Säulen: den Schutz der Arbeitsplätze, den Erhalt des Hauptsitzes und der zentralen Funktionen in Siena, die Sicherstellung der Kreditvergabe an lokale Familien sowie mittelständische Unternehmen und den Schutz des historischen sowie künstlerischen Erbes der Bank. Die Bürgermeisterin hat zudem bereits Eingaben an die Wettbewerbsbehörde Antitrust und die Börsenaufsicht Consob übermittelt, um die Auswirkungen einer möglichen Übernahme prüfen zu lassen.

Fusionspläne als Alternative

Parallel zum Angebot von Intesa Sanpaolo zeichnet sich eine alternative Lösung ab. Wie MilanoFinanza berichtet, arbeiten der MPS-Vorstandsvorsitzende Luigi Lovaglio und Giuseppe Castagna, Chef von Banco Bpm, an einem Plan für eine Fusion unter Gleichen. Ein solcher Zusammenschluss könnte jährliche Synergien von mehr als 1,1 Milliarden Euro heben und eine neue Bankengruppe mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Euro schaffen.

Dieses Vorhaben gilt als Versuch, die als feindlich empfundene Übernahme durch Intesa Sanpaolo abzuwenden. Entscheidungen hierzu könnten bereits in den kommenden Vorstandssitzungen Anfang August fallen. Dabei wird entscheidend sein, ob die Großaktionäre beider Häuser den Weg einer einvernehmlichen Fusion mittragen oder ob das Barangebot von Intesa Sanpaolo, über das die Aktionäre dort am 10. September entscheiden sollen, letztlich den Ausschlag gibt. Während Banco Bpm selbst mit einem Anteil von 29,3 Prozent durch Crédit Agricole unterstützt wird, bleibt die Position des italienischen Staates als Minderheitsaktionär bei MPS das Zünglein an der Waage.

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