Fünf Quartale in Folge schrumpfte der Auftragsbestand von Ballard Power Systems. Fünf Quartale, in denen Anleger jedes Mal aufs Neue hoffen durften und jedes Mal enttäuscht wurden. Im zweiten Quartal 2026 ist dieser Trend nun gebrochen, und das ist tatsächlich eine Meldung wert.
Endlich wieder Aufträge
Ballard meldete Ende Juli seine Q2-Zahlen. Der Umsatz kam bei 20,6 Millionen USD herein, ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Klingt solide, ist es aber nur halb. Denn im ersten Quartal lag das Wachstum noch bei 26 Prozent, über das gesamte Jahr 2025 sogar bei 43 Prozent. Der Schwung hat also spürbar nachgelassen, und der Konsens der Wall-Street-Analysten wurde um satte 5 Millionen USD verfehlt.
Der eigentlich interessante Punkt steht weiter unten im Bericht. Der Auftragsbestand kletterte auf 156,6 Millionen USD, ein Plus von 43,7 Millionen USD gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal allein gingen neue Aufträge über 64,4 Millionen USD ein, darunter ein 15-Megawatt-Auftrag im Markt für stationäre Energie. Solaris wählte Ballard zudem als Brennstoffzellen-Lieferant für seine nächste Generation von Wasserstoffbussen.
Kosten runter, Marge rauf
Was Ballard in den vergangenen Quartalen wirklich vorangebracht hat, sind die Kostensenkungen. Der bereinigte EBITDA-Verlust lag bei minus 9,8 Millionen USD, eine Verbesserung um 20,8 Millionen USD gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge sprang auf positive 20 Prozent, 28 Prozentpunkte besser als ein Jahr zuvor. Die operativen Ausgaben sanken um 10,8 Millionen auf 20,9 Millionen USD. Ballard hat vor allem bei Forschung und Entwicklung gekürzt, und das Unternehmen setzt darauf, dass die bisherigen F&E-Investitionen ausreichen, um die Technologie zu tragen.
Mit einer Nettoliquidität von 505,1 Millionen USD nach dem Quartal ist die Frage der Zahlungsfähigkeit kurzfristig schlicht kein Thema.
GeoPura: Die große Wette
Im Juni gab Ballard bekannt, das britische Unternehmen GeoPura zu übernehmen. Preis: rund 400 Millionen USD, also grob die Hälfte der eigenen Marktkapitalisierung zum Zeitpunkt der Ankündigung. Bezahlt wird mit 110 Millionen USD in bar und 50,8 Millionen neuen Ballard-Aktien, dazu noch bis zu 37 Millionen USD abhängig von GeoPuras künftiger Leistung.
GeoPura entwickelt Wasserstoff-Stromeinheiten, produziert und transportiert Wasserstoff. Nach dem Zusammenschluss deckt Ballard die gesamte Kette ab: von der Wasserstoffproduktion über Vertrieb, Logistik und Betankung bis hin zu Brennstoffzellen und Endanwendungen. GeoPura soll 2026 rund 51 Millionen USD Umsatz beisteuern, und Ballard peilt Profitabilität bis 2028 an. Identifizierte EBITDA-Synergien von 25 Millionen USD klingen konkret genug, um die Logik der Übernahme zu verstehen.
Ob die Rechnung aufgeht, hängt allerdings davon ab, wie schnell der Wasserstoffmarkt insgesamt wächst. Und genau das ist die offene Flanke: Infrastruktur fehlt, Produktionskosten sind hoch, Transportlogistik ist komplex. Plug Power und FuelCell Energy wachsen zwar, melden aber ebenfalls unregelmäßige Umsätze.
Günstig bewertet, aber warum eigentlich?
Ballard handelt beim Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 1,4, klar unter FuelCells 1,9 und Plug Powers 3,8. Beim EV/Umsatz-Verhältnis sieht es ähnlich aus: Ballard bei 2,9, die Konkurrenz bei 5,0 bis 9,4. Das klingt nach Rabatt. Doch Ballard ist deutlich kleiner als die Vergleichsunternehmen, und die hohe Nettoliquidität verzerrt den Buchwert-Vergleich. Ein Discount, der sich erklärt, ist kein Schnäppchen.
Die Aktie hat sich seit Anfang 2026 kaum bewegt, minus 0,2 Prozent auf Jahressicht. Wer im März eingestiegen ist, hat zwar kurzzeitig eine Verdopplung gesehen, sitzt jetzt aber nur noch auf einem Plus von rund 2 Prozent. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum 12 Prozent zu. Fünf Quartale Rückgang im Auftragsbestand sind gestoppt, das stimmt. Aber Profitabilität bis 2028 ist ein langer Weg, und der Wasserstoffmarkt hat schon oft versprochen, was er nicht gehalten hat.
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