Der chinesische Technologiekonzern Baidu treibt seine Transformation zum reinen KI-Unternehmen massiv voran. Während das klassische Geschäft mit Online-Marketing schwächelt, verlagert sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Bereiche Cloud-Infrastruktur, spezialisierte Halbleiter und autonomes Fahren. Besonders die internationale Expansion des Robotaxi-Dienstes Apollo Go steht dabei im Fokus der strategischen Neuausrichtung.
Cloud-Wachstum und neue Chip-Generationen
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Baidu einen Gesamtumsatz von 32,1 Milliarden Yuan. Zwar gingen die Erlöse im Online-Marketing um 22 Prozent auf 12,6 Milliarden Yuan zurück, doch das KI-gestützte Geschäft kompensierte Teile dieser Verluste mit einem Zuwachs von 49 Prozent. Herausragender Wachstumstreiber war die KI-Cloud, deren Umsatz um 79 Prozent auf 8,8 Milliarden Yuan kletterte. Innerhalb dieses Segments konnte die GPU-Cloud ihre Erlöse sogar um 184 Prozent steigern.
Um die technologische Unabhängigkeit zu sichern, stellte das Unternehmen neue KI-Chips vor. Das Modell M100 ist auf Inferenz-Aufgaben spezialisiert und wird bereits seit Anfang des Jahres eingesetzt. Für das kommende Jahr 2027 ist die Einführung des M300-Chips geplant, der für das Training komplexer multimodaler Modelle konzipiert wurde. Parallel dazu lieferte Baidu neue Rechencluster aus, wobei das System Tianchi256 eine Leistungssteigerung von mehr als 50 Prozent gegenüber früheren Generationen aufweist.
Apollo Go erobert internationale Metropolen
Ein zentraler Pfeiler der Wachstumsstrategie ist die Mobilitätsplattform Apollo Go. Im ersten Quartal 2026 absolvierte der Dienst 3,2 Millionen fahrerlose Fahrten. Bis zum April summierte sich die Zahl der autonomen Fahrten damit auf insgesamt 22 Millionen. Nach der Dominanz auf dem chinesischen Heimatmarkt sucht Baidu nun verstärkt den Erfolg im Ausland.
In London startete das Unternehmen Ende Juli in Zusammenarbeit mit Freenow Straßentests mit RT6-Fahrzeugen im Stadtteil Brent. Auch im Nahen Osten baut Baidu seine Präsenz aus: Mit der Verkehrsbehörde von Dubai wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, die zunächst den Einsatz von 50 autonomen Taxis vorsieht. Langfristig soll die Flotte in dem Emirat auf 1.000 Fahrzeuge anwachsen. In Hongkong erhielt Baidu zudem die erste Genehmigung für fahrerlose Tests der Stufe Level 4 im Rechtsverkehr.
Bilanz zwischen Werbekrise und Investitionsdruck
An der Börse spiegeln sich die fundamentalen Herausforderungen und Chancen in einer volatilen Kursentwicklung wider. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei 94,90 Euro. Trotz der starken Dynamik im KI-Sektor belastet die Schwäche des klassischen Werbegeschäfts die Stimmung der Anleger, was zu einem Minus von 16,17 Prozent seit Jahresbeginn führte. Dennoch notiert die Aktie derzeit rund 30,00 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Die Analystenhäuser bewerten die Aussichten des Konzerns unterschiedlich, bleiben aber mehrheitlich konstruktiv gestimmt. Die Experten von Barclays senkten ihr Kursziel jüngst auf 124 US-Dollar, während JPMorgan das Ziel auf 205 US-Dollar korrigierte. Zur Unterstützung des Aktienkurses setzt Baidu neben der operativen Entwicklung auf eine aktionärsfreundliche Kapitalpolitik. Im Februar 2026 wurde die erste Dividende der Unternehmensgeschichte eingeführt, zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 5 Milliarden US-Dollar.
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