BAE Systems soll mit Airbus über eine Zusammenarbeit beim Kampfjetprogramm GCAP sprechen. Für den bestehenden Partnerkreis steht dabei mehr als eine mögliche Erweiterung des Projekts zur Debatte: Zusätzliche industrielle Ansprüche könnten den Entwicklungszeitplan belasten. Ein Einstieg von Airbus oder Deutschland ist nicht beschlossen. BAE bezeichnete das geplante Treffen gegenüber der Financial Times als „Routine“.
Neue Partner, bereits verteilte Aufgaben
Nach Berichten der Financial Times sollen die Gespräche neben einer möglichen GCAP-Beteiligung auch autonome Begleitkampfflugzeuge und die digitale „Combat Cloud“ umfassen. Endgültige Entscheidungen werden derzeit nicht erwartet. Damit geht es zunächst um mögliche Kooperationsfelder und nicht um eine bereits vereinbarte Neuordnung des Programms.
Großbritannien, Italien und Japan starteten GCAP 2022. Der neue Tarnkappen-Kampfjet soll 2035 in Dienst gehen. BAE Systems, Leonardo und Mitsubishi Heavy Industries haben zentrale Arbeitsanteile und Fragen des geistigen Eigentums bereits untereinander geregelt.
Diese Vorfestlegungen machen eine Erweiterung anspruchsvoll. Airbus fordert eine substanzielle und gleichberechtigte Beteiligung der deutschen, spanischen und europäischen Industrie an Entwicklung, Produktion und Nutzung. Eine bloße Zulieferrolle entspricht diesem Anspruch nicht.
Airbus-Defence-and-Space-Chef Mike Schoellhorn sagte dem Handelsblatt diesen Monat, das Unternehmen wolle eine Schlüsselrolle übernehmen. Nur Rumpf oder Tragflächen zu fertigen, genüge nicht. Zugleich verlangt Airbus rasche politische Entscheidungen aus Deutschland und Spanien.
Analysten warnen vor Verzögerungen
Jefferies sieht durch einen möglichen Einstieg Risiken für den Entwicklungszeitplan. AlphaValue hält einen späten Beitritt als Minderheitspartner für fragwürdig. Die Einschätzungen benennen unterschiedliche Seiten desselben Konflikts: Airbus verlangt Einfluss, während die bisherigen Partner ihre Zusammenarbeit bereits organisiert haben.
Für BAE ist deshalb entscheidend, ob sich neue Beteiligungswünsche mit der bestehenden Arbeitsteilung vereinbaren lassen. Die Gespräche über autonome Begleitflugzeuge und die Combat Cloud eröffnen dabei weitere mögliche Kooperationsfelder neben einer unmittelbaren Beteiligung am Kampfjet selbst. Welche Form eine Zusammenarbeit annehmen könnte, ist offen.
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen FCAS-Projekts prüfen Deutschland und Airbus auch andere Partnerschaften. Eine Zusammenarbeit mit Schwedens Saab gilt als Alternative. GCAP ist damit eine Option, aber keine beschlossene Anschlusslösung.
Umsetzung läuft bereits an
Während über zusätzliche Partner gesprochen werden soll, baut das Programm seine Entwicklungsstruktur aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Edgewing eröffnete am 9. Oktober in Turin seinen ersten Engineering-Standort. Weitere Standorte in Nagoya und Warton sollen 2027 folgen.
Edgewing gehört zu gleichen Teilen BAE Systems, Leonardo und JAIEC und verfügt über die volle Designhoheit für das Flugzeug. Die bereits angelaufene Umsetzung unterstreicht, weshalb neue industrielle Ansprüche nicht losgelöst von Zuständigkeiten und Zeitplanung verhandelt werden können.
Die BAE-Aktie legt heute um 3,4% zu. Das Kursplus fällt damit in eine Phase konkreter Kooperationsgespräche, nicht eines bestätigten Vertragsabschlusses. Für Anleger liegt der nächste substanzielle Prüfstein in belastbaren Vereinbarungen über Beteiligung und Arbeitsteilung – ohne den angestrebten Einsatztermin zu gefährden.
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