AXT steigt heute um 5,3 Prozent auf 50,66 Euro, nachdem die Aktie am Vortag noch bei 48,10 Euro geschlossen hatte. Wer nur auf diese Tagesbewegung starrt, verpasst die eigentliche Geschichte. Für mich ist der langfristige Kapazitätsvertrag mit Lumentum das Element, das über die aktuelle Achterbahnfahrt hinaus Substanz verleiht – und genau darauf sollte der Blick gerichtet werden, statt sich von jedem Prozentsprung treiben zu lassen.
Ein Vertrag mit Substanz statt Stimmung
Ende Juli haben AXT und Lumentum Operations eine langfristige Kapazitätsreservierung für Indium-Phosphid-Wafersubstrate bis Ende 2031 vereinbart. Lumentum leistet zwei Anzahlungen von jeweils 43,5 Millionen US-Dollar, die als Gutschriften auf künftige Käufe angerechnet werden. Das ist kein PR-Coup, sondern eine handfeste Kundenbindung über mehrere Jahre – und sie erklärt, warum ich die aktuelle Kursschwäche eher als Verdauungsprozess denn als Vertrauensverlust lese.
Diese Einschätzung stützt sich auch auf die Geschäftszahlen, die diesen Deal erst plausibel machen. Im zweiten Quartal erzielte AXT einen Umsatz von 47,6 Millionen US-Dollar, deutlich über den erwarteten 34 Millionen. Der Löwenanteil davon, 30,7 Millionen US-Dollar, entfiel auf Indium-Phosphid – ein Rekordwert und fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes.
Die Non-GAAP-Bruttomarge kletterte von mageren 8,2 Prozent im Vorjahresquartal auf 45 Prozent. Wer diese Kombination aus Auftragsvorlauf und Margensprung sieht, versteht, weshalb Lumentum bereit war, Kapital vorab zu binden.
Warum die Skepsis am Markt trotzdem nicht unbegründet ist
Unterm Strich bleibt die Frage, ob der Markt diese Substanz einpreist oder ob er längst weitergezogen ist. Die Volatilität der vergangenen Wochen – Insiderverkäufe, gehebelte ETFs auf den Titel, wechselhafte Kursreaktionen – hat das Vertrauen in die Story sichtlich strapaziert.
Dass die Aktie trotz des Lumentum-Deals und der starken Zahlen so stark schwankt, spricht dafür, dass Anleger die langfristige Kapazitätsbindung noch nicht als Stabilitätsanker begreifen, sondern als eine von vielen Nachrichten in einem ohnehin nervösen Umfeld behandeln.
Für mich überwiegen dennoch die Argumente, die für eine strukturelle statt einer rein spekulativen Lesart sprechen. Ein Vertragspartner wie Lumentum bindet sich nicht über fünf Jahre und zahlt keine zweistelligen Millionenbeträge im Voraus, wenn er an der Substanzqualität des Lieferanten zweifelt.
Die Tatsache, dass Indium-Phosphid inzwischen den Löwenanteil des Umsatzes stellt, deutet zudem darauf hin, dass AXT sich in einem Segment positioniert hat, das von der Nachfrage nach Glasfaser- und Datenzentrumskomponenten getragen wird – ein Markt, der nicht über Nacht verschwindet.
Konzernstruktur als Nebenschauplatz
Randnotiz am Rande: Die Tochtergesellschaft Beijing Tongmei Xtal Technology hat ihren Börsengang-Antrag am STAR Market der Börse Shanghai zurückgezogen und richtet ihre Ambitionen nun auf die Börse Hongkong aus, ein Prozess, der laut Unternehmensangaben rund ein Jahr dauern dürfte. Das ist strategisch relevant für die langfristige Kapitalstruktur des Konzerns, verändert aber am eigentlichen operativen Bild – starke Nachfrage, verbesserte Margen, langfristige Kundenbindung – wenig.
Mein Fazit
Die Kursbewegungen der vergangenen Wochen wirken auf den ersten Blick chaotisch, doch sie überdecken eine Entwicklung, die ich für die eigentlich entscheidende halte: AXT hat sich mit dem Lumentum-Vertrag einen mehrjährigen Abnahmerahmen gesichert, der die Rekordzahlen des zweiten Quartals untermauert.
Ob der Markt das honoriert, hängt weniger von der nächsten Tagesbewegung ab als davon, ob sich die Margenverbesserung in den kommenden Quartalen fortsetzt. Die Chancen, dass die fundamentale Story am Ende stärker wiegt als die kurzfristige Nervosität, überwiegen für mich – ein Automatismus ist das aber nicht.
AXT-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue AXT-Analyse vom 03. September liefert die Antwort:
Die neusten AXT-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für AXT-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 03. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
