Wer die jüngste Nachrichtenlage bei AXT verfolgt, stößt auf einen auffälligen Widerspruch: Während Analysten ihre Kursziele anheben und das Unternehmen von Rekordumsätzen berichtet, trennen sich Insider munter von ihren Aktien. Für mich ist genau dieses Spannungsfeld der eigentliche Prüfstein für die weitere Kursentwicklung – nicht die Frage, ob das Indiumphosphid-Geschäft brummt.
Die Fakten sprechen zunächst für sich: Direktor Leonard LeBlanc verkaufte am 17. August 4.000 AXT-Aktien zu 96,07 US-Dollar, keine zwei Wochen nach einem weiteren Verkauf von 2.000 Stück zu 88,315 US-Dollar am 7. August. Am 19. August folgten laut Unternehmensangaben zwei weitere Transaktionen.
Insgesamt haben Insider Medienberichten zufolge in den vergangenen zwölf Monaten Aktien im Wert von 78,8 Millionen US-Dollar verkauft – ohne eine einzige Käufer-Transaktion gegenzurechnen. Das ist keine Momentaufnahme, sondern ein Muster.
Die fundamentale Gegenrechnung
Man muss fairerweise sagen: Die operative Story bei AXT ist derzeit stark. Die Vereinbarung mit Lumentum Operations über Indiumphosphid-Wafersubstrate bis Ende 2031 bringt dem Unternehmen Anzahlungen von insgesamt 87 Millionen US-Dollar, die als Liefergutschriften verrechnet werden. Hinzu kommen langfristige Lieferverträge mit Casella und Coherent, verbunden mit Vorauszahlungen von 22,3 respektive 25,4 Millionen US-Dollar. Der Orderbestand liegt Medienberichten zufolge inzwischen deutlich über 100 Millionen US-Dollar und reicht bis ins Jahr 2027.
Für mich ist bemerkenswert, wie sehr sich das Geschäftsmodell in Richtung Indiumphosphid verschoben hat – ein Werkstoff, der für optische Komponenten in KI-Rechenzentren gebraucht wird.
Genau darauf stützen auch die Analysten ihren Optimismus: Northland Capital Markets hob das Kursziel im August auf 125 US-Dollar an, bei einer Outperform-Einstufung. Das ist eine der jüngeren Stimmen im Markt und zeigt, wie stark manche Häuser das Momentum bei AXT einpreisen.
Was die Insiderverkäufe relativieren – und was nicht
Insiderverkäufe eines einzelnen Direktors sind für sich genommen kein Alarmsignal. Häufig dienen sie der privaten Liquiditätsplanung, zumal die Transaktionen nicht unter einem automatisierten 10b5-1-Plan liefen, was theoretisch auf diskretionäre Entscheidungen im Zeitpunkt hindeutet.
Trotzdem: Wenn über zwölf Monate hinweg ausschließlich verkauft wird, während das Unternehmen gleichzeitig seine Präsenz auf Investorenkonferenzen erhöht – etwa mit dem Auftritt bei der Needham-Semiconductor-Konferenz am 20. August – dann passt das Bild nicht ganz zusammen. Wer von der eigenen Wachstumsstory überzeugt ist, verkauft in der Regel nicht systematisch gegen den Trend.
Hinzu kommt ein strukturelles Element, das ich für unterschätzt halte: Die China-Tochter Beijing Tongmei Xtal Technology hat ihren Börsengang am STAR Market in Shanghai zurückgezogen und peilt stattdessen einen Listing-Prozess an der Hong Kong Exchange an, der schätzungsweise ein Jahr dauern dürfte.
Solche strategischen Kurswechsel bei einer wichtigen Tochtergesellschaft bringen zusätzliche Unsicherheit in die Bewertung des Gesamtkonzerns, gerade weil der Zeitplan vage bleibt.
Auch die Randnotiz, dass der Anbieter Tradr einen gehebelten inversen ETF auf AXT aufgelegt hat, ist ein Indiz dafür, wie sehr die Aktie inzwischen als Spekulationsvehikel wahrgenommen wird – nicht unbedingt als solides Fundamentalinvestment.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei AXT zwei Narrative, die parallel laufen, ohne sich zu treffen: ein fundamental starkes Geschäft mit wachsendem Auftragsbestand und optimistischen Analystenzielen auf der einen Seite, hartnäckige Insiderverkäufe und strukturelle Unsicherheiten rund um die China-Tochter auf der anderen.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis gegenüber der reinen Wachstumseuphorie – nicht weil die Zahlen schlecht wären, sondern weil diejenigen, die das Geschäft am besten kennen, offenbar selbst nicht bereit sind, auf steigende Kurse zu wetten.
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