Aviva treibt die internationale Expansion in margenstarke Nischen voran. Der britische Versicherungskonzern startete gestern offiziell seine neue Tochtergesellschaft Aviva Specialty in den USA.
Die in New York ansässige Surplus-Lines-Plattform soll im vierten Quartal 2026 über Makler und Programmadministratoren mit der Zeichnung gewerblicher Immobilienrisiken beginnen. Am Aktienmarkt dominierte heute dennoch Verkaufsdruck: Die AVIVA-Aktie verlor 2,7 Prozent auf 7,89 Euro.
Start mit Gewerbeimmobilien und Cyber-Ausbau
Die US-Einheit zeichnet Risiken landesweit auf dem Papier von Aviva Insurance Limited. Während der operative Start zunächst auf gewerbliche Sachversicherungen fokussiert ist, plant das Unternehmen schrittweise Erweiterungen auf Financial Lines, Spezial-Haftpflichtrisiken sowie das Cyberversicherungsgeschäft.
Ursprünglich war die Aufnahme des Geschäftsbetriebs bereits für das zweite Quartal vorgesehen gewesen, verzögerte sich jedoch bis zum Abschluss der behördlichen Genehmigungsverfahren.
Flankiert wurde der Marktstart von einer gezielten Personalie. Am Dienstag berief Aviva Phil Rosace zum Leiter des US-Cybergeschäfts innerhalb der neuen Einheit. Rosace war zuvor General Manager bei Coalition und leitete das Rückversicherungsgeschäft Coalition Re, nachdem er Stationen bei Vantage Risk Companies, Zurich North America und AIG durchlaufen hatte.
Die Leitung von Aviva Specialty liegt bei Mike Karmilowicz, einem früheren Manager von Everest Insurance, der bereits im vergangenen Jahr verpflichtet worden war. Der Schritt baut auf der 2024 erfolgten Übernahme des Lloyd’s-Versicherers Probitas auf, der im September in Aviva Syndicates umbenannt wurde.
Vertriebsoffensive in Indien und Portfolioumbau
Parallel zur US-Offensive weitet der Konzern seine Vertriebskanäle in Asien aus. Aviva Life Insurance India vereinbarte gestern eine Partnerschaft mit der Finanzplattform Wizz Financial.
Über deren Einheit Wizz Holidays sollen Lebens- und Critical-Illness-Policen wie der Aviva Signature 3D Term Plan und Aviva Smart Vital vertrieben werden. Die Kooperation zielt zunächst auf Kunden mit goldbesicherten Krediten ab und soll später auf weitere Finanzdienstleistungen ausgeweitet werden.
Strategisch setzt Aviva verstärkt auf Segmente mit geringerer Kapitalbindung. Bis 2028 sollen 75 Prozent der Erträge aus kapitalarmen Geschäftsfeldern stammen. Das Fundament hierfür lieferte das erste Halbjahr 2026, in dem der Betriebsgewinn um 24 Prozent auf 1,3 Milliarden Pfund zulegte. Zudem stärkte Aviva Investors das Geschäft mit Privatkrediten durch die gestrige Übernahme der Verbriefungsplattform Adriana Infrastructure CLO.
Mit dem heutigen Kursrückgang wuchs der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 8,90 Euro auf 11 Prozent an. Für Anleger kommt es nun darauf an, wie schnell die neue Plattform in den USA profitables Zeichnungsvolumen generieren kann.
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