Avis Budget-Aktie: 9 Millionen suchten verzweifelt Deckung!

Ein massiver Short-Squeeze bei Avis Budget treibt die Aktie auf 714 Dollar. Großaktionäre halten 82 Prozent der Anteile, was die Deckung von 9 Millionen Leerverkäufen erschwert.

Auf einen Blick:
  • Avis-Aktie stieg in fünf Wochen um rund 580 Prozent auf 714 Dollar
  • SRS und Pentwater kontrollierten zusammen wirtschaftlich über 80 Prozent der Aktien
  • Mehr als 60 Prozent des freien Floats waren leerverkauft
  • Beide Großaktionäre können ihre Positionen vorerst nicht verkaufen

Es gibt Marktereignisse, die man einmal in einem Jahrzehnt sieht. Der Volkswagen-Short-Squeeze von 2008 war so eines. Was gerade mit Avis Budget passiert, ist in meinen Augen das nächste davon.

Ein Unternehmen, das die Shorts zu Recht hassten

Zuerst zum Unternehmen selbst, denn ohne diesen Hintergrund versteht man die Geschichte nur halb. Avis Budget Group betreibt die Marken Avis, Budget, Zipcar, Payless und Apex mit einer Flotte von rund 684.000 Fahrzeugen. Das Geschäftsjahr 2025 war schlicht ein Desaster: 11,65 Milliarden Dollar Umsatz, leicht rückläufig, ein Nettoverlust von knapp einer Milliarde Dollar, ein verwässertes EPS von minus 25,26 Dollar.

Und dann der Q4-Bericht vom 18. Februar, der alles noch schlimmer machte. Ein Quartalsverlust von 856 Millionen Dollar, davon 518 Millionen als Abschreibung auf die US-Elektrofahrzeugflotte. Wer Hertz und Tesla 2024 verfolgt hat, kennt diesen Film bereits.

Die Leerverkäufer lagen mit ihrer Einschätzung des Geschäfts also vollkommen richtig. 28 Milliarden Dollar Gesamtschulden, davon rund 19 Milliarden in nicht-regredierbaren Flotten-ABS. Nur 524 Millionen Dollar Cash. Gebrauchtwagen-Preise unter Druck. Autonomes Fahren als langfristiger Nachfragedämpfer.

S3 Partners meldete Mitte März 49 Prozent des verfügbaren Floats als leerverkauft, Ende März waren es schon 54 Prozent, rund 9 Millionen Aktien. Die Leihgebühren kletterten von unter einem Prozent im Februar auf 3 bis 4,25 Prozent. Das sah nach einem sicheren Short aus.

Das Problem mit dem Float

Avis hat nur 35,26 Millionen Aktien ausstehend. Das ist für ein Unternehmen dieser Größe und Bekanntheit außerordentlich wenig. Und von diesen 35,26 Millionen waren schon vor dem Squeeze riesige Blöcke faktisch vom Markt verschwunden. SRS Investment Management hält seit 2018 eine Position in Avis, zuletzt rund 49 Prozent des wirtschaftlichen Interesses. Avis hatte im vergangenen Jahr sogar den Kooperationsvertrag angepasst und die Stimmrechtsobergrenze für SRS von 35 auf 45 Prozent angehoben. Dazu kommen rund 10 Prozent in passiven Indexfonds wie Vanguard. Damit waren vor dem Squeeze bereits etwa 59 Prozent der Aktien schlicht nicht handelbar. Der echte Free Float lag irgendwo bei 14 bis 15 Millionen Aktien. Und dagegen standen 9 Millionen Leerverkaufspositionen. Mehr als 60 Prozent des freien Floats waren short.

Pentwater zündete die Lunte

Pentwater Capital Management hatte seine Position in 2025 aufgebaut und am 13. Februar via Schedule 13G/A eine Beteiligung von 12,3 Prozent, also 4,33 Millionen Aktien, offengelegt. Dann, zwischen dem 20. und 24. Februar, kaufte Pentwater weitere 425.000 Aktien zu durchschnittlich rund 94,26 Dollar, genau zwei Tage nach dem verheerenden Quartalsbericht. Gleichzeitig verkaufte Pentwater Puts mit Verfall am 20. März zu Basispreisen von 110, 120, 125 und 130 Dollar und kaufte September-Calls zu 80 und 85 Dollar.

Wer 2008 aufgepasst hat, erkennt die Struktur sofort. Physisch belieferte Optionen, die Aktienlieferung erzwingen, kombiniert mit Cash-settled Swaps, deren Delta von Händlern im offenen Markt abgesichert werden muss. Steigt der Kurs, muss der Händler mehr Aktien kaufen. Ein Rückkopplungskreis.

Am Verfallstag im März übte Pentwater alle im Geld liegenden Puts aus. Das erzwang Lieferungen in massiven Blöcken, darunter ein einzelner Tranche von 1.236.300 Aktien zu 110 Dollar. Die Leihbarkeit von Aktien kollabierte. Die Leihgebühr schoss auf rund 3,88 Prozent, ungefähr das Dreizehnfache des allgemeinen Besicherungssatzes. Wer short war und dessen Verleiher die Aktien zurückrief, stand vor einem erzwungenen Rückkauf ohne Deckung.

Avis Budget Group Aktie Chart

82 Prozent eingeschlossen, 9 Millionen suchen Deckung

Ende März hielt Pentwater rund 22 Prozent oder 7,8 Millionen Aktien. SRS 49 Prozent. Passive Fonds 10 Prozent. Zusammen rund 82 Prozent der ausstehenden Aktien bei Haltern, die nicht verkaufen. Und dagegen 9 Millionen Aktien, die irgendwie gedeckt werden mussten.

Dazu kam ein makroökonomischer Zufallswind: Ein Förderausfall beim TSA ließ Sicherheitskontrollen an großen US-Flughäfen kollabieren, Reisende wichen auf Mietwagen aus, Hertz stieg daraufhin um rund 65 Prozent. Avis stieg um das Zehnfache davon.

Das Entscheidende jetzt: Beide Großaktionäre können nicht verkaufen. SRS unterliegt als Insider den Handelsbeschränkungen bis zur Veröffentlichung der Q1-Zahlen, erwartet um den 6. Mai. Pentwater ist durch die Section-16-Regel für Kurzfristgewinne gebunden, da die Käufe aus Februar und März erst nach sechs Monaten ohne Gewinnabführung veräußert werden dürfen, also frühestens Ende September 2026. Der Squeeze ist strukturell noch nicht vorbei.

Und trotzdem: Finger weg?

Bei 713,97 Dollar handelt die Avis-Aktie aktuell nicht auf Basis des Unternehmens. Sie handelt auf Basis von Float-Mechanik, und nichts sonst. Wer in den letzten Tagen eingestiegen ist und Gewinne hat, dem kann man auf Basis vergleichbarer Erfahrungen eigentlich nur raten: Take the money and run. Denn jeder Short-Squeeze in der Geschichte endete gleich. AMC, Bed Bath and Beyond, und der Avis-Squeeze von 2021 selbst. Der Markt findet immer den Weg zurück zur Realität. Manchmal dauert es länger als erwartet. Aber er findet ihn.

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