Ein Hedgefonds zahlt Avis Budget eine dreiviertel Milliarde Dollar – und das ohne Produktverkauf, ohne Vertragsverlängerung, sondern als Ergebnis eines Rechtsstreits um sogenannte Short-Swing-Gewinne. Für ein Unternehmen, das zuletzt vor allem mit Kursrutschen und Vertragsverlusten Schlagzeilen machte, ist das eine ungewohnt positive Nachricht.
Avis Budget hat einen Antrag beim zuständigen Bundesgericht in New York eingereicht, um eine Vergleichsvereinbarung mit Pentwater Capital Management gerichtlich absegnen zu lassen. Demnach soll die Investmentgesellschaft 650 Millionen Dollar in bar an Avis zahlen. Der Betrag stammt aus einer Klage, die Avis am 16. Juni 2026 gegen Pentwater und verbundene Personen eingereicht hatte – Gegenstand war die Rückforderung von Short-Swing-Gewinnen nach Section 16(b) des US-Wertpapiergesetzes von 1934.
Was hinter dem Vergleich steckt
Section 16(b) verpflichtet Insider und Großaktionäre dazu, Gewinne aus kurzfristigen Kauf- und Verkaufstransaktionen der eigenen Aktie an das Unternehmen zurückzuzahlen. Avis wirft Pentwater vor, genau solche Geschäfte getätigt zu haben. Beide Parteien bezeichnen die vereinbarte Summe übereinstimmend als faire und angemessene Lösung des Streits.
Die Einigung steht allerdings noch unter Vorbehalt. Das Gericht muss den Vergleich erst bestätigen und dabei unter anderem feststellen, dass Avis die Ansprüche konsequent verfolgt hat und die Zahlungssumme sachgerecht ist. Bis zur endgültigen Genehmigung bleibt ein Restrisiko bestehen – die Vereinbarung könnte theoretisch noch scheitern, sollte das Gericht Einwände gegen Verfahren oder Substanz erheben.
An der Nasdaq reagierte die Avis-Aktie im vorbörslichen Handel mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 162,55 Dollar. Angesichts der Größenordnung der Zahlung fällt die Kursreaktion moderat aus – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Gerichtsgenehmigung noch nicht als reine Formsache einstuft.
Sollte das Gericht dem Vergleich zustimmen, würde Avis kurzfristig eine erhebliche Liquiditätsspritze erhalten, ohne dass operative Geschäftszahlen oder Flottenverträge davon berührt wären. Der nächste Schritt liegt nun beim Southern District of New York, der über die Genehmigung entscheiden muss.
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