Avis-Aktie: Kurssqueeze als Finanzkunststück!

Zwei Hedgefonds lösten einen gezielten Short Squeeze bei Avis aus, der den Kurs hochtrieb und eine dringend benötigte Kapitalerhöhung ermöglichte.

Auf einen Blick:
  • Gezielter Short Squeeze durch Hedgefonds-Strategie
  • Kapitalerhöhung zu hohem Kurs durchgeführt
  • Hohe Verschuldung und kumulierte Verluste
  • Pandemieboom ohne nachhaltiges Wachstum

Was bei Avis Budget Group in den vergangenen Wochen ablief, war kein Zufall. Es war ein Plan. Ein ziemlich eleganter noch dazu, auch wenn „elegant“ bei geschickter Marktmanipulation vielleicht das falsche Wort ist.

Ausgangslage: Rund ein Viertel des gesamten Kapitals von Avis lag in den Händen von Leerverkäufern. Gleichzeitig hielten zwei Hedgefonds, SRS und Pentwater, zusammen fast zwei Drittel des Eigenkapitals. Das bedeutete: Der tatsächlich frei handelbare Anteil war winzig. Und der Short Interest gemessen am Freefloat? Knapp 90 Prozent.

Pentwater erkannte darin eine Gelegenheit. Der Fonds verkaufte massenhaft „in the money“ Put-Optionen mit einem Monat Laufzeit. Wer diese Puts kaufte, musste sich gegen das Kursrisiko absichern, also die zugrunde liegenden Aktien kaufen. Die Nachfrage nach Avis-Aktien schoss hoch, die Leerverkäufer gerieten unter Druck und mussten ihre Positionen zu jedem Preis eindecken. Der klassische Short Squeeze, diesmal aber nicht zufällig ausgelöst, sondern konstruiert.

Avis Budget Group Aktie Chart

Die zweite Hälfte des Plans

Das war allerdings erst die Hälfte des Plans. Während der Kurs auf neue Hochs kletterte, nutzte Avis das Zeitfenster für eine Kapitalerhöhung. Fünf Millionen neue Aktien wurden platziert, rund 15 Prozent des bisherigen Gesamtbestands. Frisches Geld, zu aufgeblasenem Preis, für ein Unternehmen, das es dringend brauchte.

Denn die Bilanz von Avis ist alles andere als gesund. 28 Milliarden Dollar Nettoverschuldung, negatives Eigenkapital, und Zinskosten, die seit dem Zinsanstieg das gesamte operative Ergebnis auffressen. Inklusive Wertminderungen und trotz eines Steuervorteils von 800 Millionen Dollar hat Avis in den vergangenen zwei Geschäftsjahren kumulierte Verluste von 3 Milliarden Dollar angehäuft. Eine Refinanzierung war also nicht optional, sondern überfällig.

Pandemieprofiteur ohne Anschlussmodell

Dabei ist Avis auch ein Lehrbuchbeispiel dafür, was die Pandemie mit Geschäftsmodellen gemacht hat. Das operative Ergebnis vervierfachte sich während der ersten Wiedereröffnungen, denn Mietwagen waren knapp, die Preise explodierten. Echtes Wachstum? Nirgends zu sehen. Nur ein temporärer Preiseffekt, der inzwischen längst verpufft ist.

Was bleibt, ist ein hochverschuldetes Unternehmen, das sich mit einem Short Squeeze und einer Kapitalerhöhung etwas Luft verschafft hat. Brilliant inszeniert, keine Frage. Ob das die strukturellen Probleme löst, ist eine andere Frage. Vielleicht hilft ja noch ein Pivot in Richtung künstliche Intelligenz.

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