Ein Gewinnsprung reicht der Wall Street offenbar nicht als Blankoscheck. AutoZone lieferte im vierten Geschäftsquartal einen deutlichen Gewinnbeat, die Aktie sprang zeitweise um fast sechs Prozent nach oben. Trotzdem senkte Guggenheim heute das Kursziel — ein Signal, dass die Details der Zahlen genauer gelesen werden als die Schlagzeile.
Der Autoteilehändler verdiente im Quartal, das am 29. August endete, 56,06 Dollar je Aktie und übertraf damit die Erwartungen von 54,30 Dollar deutlich. Der Umsatz von 6,6 Milliarden Dollar verfehlte jedoch die Prognose von 6,71 Milliarden Dollar. Auch das Filialwachstum auf vergleichbarer Basis blieb mit 1,5 Prozent klar unter den von der Wall Street erwarteten 3,8 Prozent.
Kursziele driften auseinander
Genau dieser Umsatzmiss treibt jetzt die Analystendebatte. Guggenheim kappte sein Kursziel auf 3.750 Dollar von zuvor 4.000 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest — die Firma verweist auf einen wahrscheinlichen Tiefpunkt bei den Filialumsätzen im vierten Quartal und erwartet eine Erholung ab dem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres.
Evercore ISI bestätigte sein Kursziel von 3.500 Dollar bei unveränderter Outperform-Einschätzung. Mizuho und TD Cowen hatten ihre Ziele zuvor bereits auf 3.000 beziehungsweise 3.400 Dollar gesenkt. Die Bandbreite zwischen 3.000 und 4.000 Dollar zeigt: Ein einheitliches Bild fehlt, die Einschätzungen zur Erholungsgeschwindigkeit gehen deutlich auseinander.
Inhaltlich zeichnen die Analysten ein differenziertes Bild des Geschäfts. Same-SKU-Inflation soll im neuen Geschäftsjahr auf etwa vier Prozent zurückgehen, nach sieben Prozent vor zwei Quartalen — ein Hinweis auf nachlassenden Preisdruck bei Ersatzteilen. Parallel dazu kürzte das Unternehmen sein Filialwachstumsziel bis 2028 von 500 auf 430 Standorte, unter anderem wegen weniger produktiver Expansionspläne in Brasilien.
Schwache Kundenfrequenz bleibt Belastung
Konzernchef Phil Daniele sprach von ordentlichem Momentum zum Quartalsende, Finanzchef Jamere Jackson räumte jedoch schwache Kundentransaktionen ein — Verbraucher spüren die hohen Preise sowohl in der Autoteile-Branche als auch im Alltag.
Für das neue Geschäftsjahr rechnet das Management bei den Selbstmontage-Kunden (DIY) mit einer Entwicklung zwischen stagnierend und niedrigem einstelligem Wachstum, während das Werkstattgeschäft (DIFM) mit hohem einstelligem bis niedrigem zweistelligem Zuwachs deutlich stärker abschneiden soll.
Die Aktie notiert nach dem Kurssprung bei rund 2.895 Dollar und bleibt damit knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 2.797 Dollar. Seit Jahresbeginn steht bis zum Vortagesschluss ein Minus von 17 Prozent, allein im September waren es 6,3 Prozent.
Ob die Erholung bei den Filialumsätzen im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres tatsächlich einsetzt, wird sich an den nächsten Quartalszahlen zeigen — bis dahin bleibt die Spanne der Kursziele zwischen 3.000 und 4.000 Dollar Ausdruck der Unsicherheit unter den Analysten.
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