Bessere Zahlen als erwartet, und trotzdem geht es runter — bei Autodesk klafft die Reaktion des Marktes wieder einmal weit von den Fakten ab. Der Softwarekonzern übertraf im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz die Erwartungen. Die Aktie verlor dennoch rund vier Prozent und fiel auf etwa 258 Dollar.
Der Grund liegt im Ausblick. Die Jahresprognose für den Gewinn je Aktie liegt bei rund 12,56 Dollar — knapp unter dem Konsens von 12,60 Dollar. Diese kleine Differenz reichte, um die ohnehin nervöse Stimmung rund um die frisch abgeschlossene MaintainX-Übernahme zu verstärken.
Operatives Geschäft läuft rund
Die eigentlichen Geschäftszahlen sprechen für sich. Der Umsatz kletterte um 18 Prozent auf 2,05 Milliarden Dollar, das Neukundengeschäft trug dabei in allen Regionen — Amerika, Europa und Asien — zu ähnlich starkem Wachstum bei. Die operative Marge nach GAAP sprang auf 28 Prozent, ein Plus von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Der freie Cashflow lag im Quartal bei 876 Millionen Dollar, entsprechend hob das Management die Jahresprognose für den freien Cashflow auf eine Spanne von 2,725 bis 2,8 Milliarden Dollar an.
Weniger rund läuft die Integration von MaintainX. Die für 3,6 Milliarden Dollar in bar abgeschlossene Übernahme bringt zwar mehr als 14.000 neue Kunden und Zugang zu einem 40 Milliarden Dollar schweren Markt für Betriebsmanagement-Software. Kurzfristig kostet sie aber: Integrationsaufwendungen von rund 45 Millionen Dollar und eine Verwässerung des Gewinns je Aktie um 10 bis 15 Cent im laufenden Geschäftsjahr.
Hinzu kommt eine laufende Umstellung der Vertriebsorganisation weg vom Fokus auf Vertragsverlängerungen hin zu Neugeschäft. Das drückt kurzfristig auf das Wachstum bei Neuabschlüssen, auch wenn die Verlängerungsraten stabil bleiben. In einzelnen europäischen Regionen verzögert sich die Umsetzung wegen arbeitsrechtlicher Vorgaben.
Analysten bleiben bei ihrer Linie
Trotz des Kursrückgangs überwiegt bei den Analystenhäusern weiterhin Zuversicht. Von 36 erfassten Einstufungen lauten 30 auf Kaufen, sechs auf Halten, keine auf Verkaufen. UBS, Baird und DA Davidson bestätigten jeweils Kursziele von 325 Dollar, Guggenheim hob sein Ziel auf 283 Dollar an.
Kritischer beleuchten Beobachter zwei Kennzahlen: Die unfakturierten latenten Umsätze sanken um acht Prozent, was auf einen bewussten Abbau langfristiger Rabatte hindeutet. Und die vertraglich gesicherten künftigen Umsätze (RPO) wuchsen nur noch um zwei Prozent — eine Verlangsamung, die im Zuge der Vertriebsumstellung im Blick bleibt.
Der nächste Prüfstein folgt am 1. Dezember 2026 mit den Zahlen zum dritten Quartal. Bis dahin muss sich zeigen, ob die Neuausrichtung des Vertriebs greift und die MaintainX-Integration erste Cross-Selling-Erfolge liefert.
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