AT&T: Das Wachstum dieses Dividendentitels wird noch unterschätzt

AT&T übertrifft Erwartungen mit Rekord-Breitbandzahlen und bekräftigt Free-Cashflow-Ziel. Die Lumen-Übernahme zeigt bereits Synergien.

Auf einen Blick:
  • Rekord bei neuen Breitbandanschlüssen
  • Bereinigter Gewinn steigt zweistellig
  • Lumen-Integration liegt vor Plan
  • Dividendenrendite von über 4 Prozent

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wenn ein Konzern seinen besten Quartalsbericht seit Jahren vorlegt und die Aktie kaum reagiert, sollten Anleger genau hinsehen. Genau das ist AT&T passiert. Das erste Quartal 2026 lieferte Rekorde bei den Breitbandanschlüssen, zweistelliges bereinigtes Gewinnwachstum und eine bekräftigte Free-Cashflow-Prognose von mindestens 18 Milliarden Dollar. Der Markt reagierte mit einem Achselzucken. Für geduldige Anleger könnte das eine seltene Gelegenheit sein.

Ein Quartal voller positiver Überraschungen

AT&T erzielte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 31,5 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf die Erwartungen um 260 Millionen Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 11,8 Prozent auf 0,57 Dollar. Wer nur auf das GAAP-Ergebnis schaute, sah einen Rückgang von 0,61 auf 0,54 Dollar je Aktie.

Der Grund liegt in einer Sonderwirkung aus dem Vorjahr: Im ersten Quartal 2025 flossen 1,4 Milliarden Dollar Beteiligungserträge aus dem inzwischen veräußerten DIRECTV-Anteil in die Bücher. Ohne diesen Einmaleffekt zeigt der operative Trend klar nach oben.

Starker Cashflow

Das bereinigte Betriebsergebnis kletterte um 7,8 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar. Das bereinigte EBITDA wuchs um 2,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Dollar. Die operative Marge verbesserte sich auf 21,1 Prozent. Diese Zahlen mögen für Wachstumsinvestoren unspektakulär wirken. Für ein Unternehmen mit AT&Ts Größe und Verschuldungsstruktur sind sie bemerkenswert konsistent.

Der Free Cashflow des Quartals betrug 2,5 Milliarden Dollar und landete damit am oberen Ende der eigenen Prognose von 2,0 bis 2,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig stiegen die Investitionsausgaben um 15 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen erhöht die Ausgaben bewusst, um den Glasfaserausbau zu beschleunigen. Das Ganzjahresziel von mindestens 18 Milliarden Dollar Free Cashflow steht unverändert.

Die Lumen-Übernahme als strategischer Wendepunkt

Der wichtigste Wachstumstreiber im Quartal war die Integration von Lumen Technologies. Die Transaktion schloss am 2. Februar 2026 und liegt nach Angaben des Unternehmens bereits vor dem ursprünglichen Zeitplan. Damit kamen 1,1 Millionen Glasfaserkunden und mehr als vier Millionen erschlossene Glasfaserstandorte zum bestehenden Netz hinzu. Der Glasfaser-Fußabdruck von AT&T umfasst nun 37 Millionen Anschlussstandorte. Bis 2030 lautet das Ziel: mindestens 60 Millionen Standorte.

Im ersten Quartal verzeichnete AT&T insgesamt 584.000 neue Breitbandanschlüsse in moderner Infrastruktur. Das ist ein Quartalsrekord. Davon entfielen 273.000 auf Glasfaser und 239.000 auf das Produkt Internet Air. Es war das sechste Quartal in Folge mit mehr als 500.000 Netto-Neuanschlüssen in hochwertiger Konnektivität. Dieser Trend ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer konsequenten Investitionsstrategie, die jetzt erste operative Früchte trägt.

Das Produkt Internet Air nutzt dieselbe 5G-Infrastruktur wie das Mobilfunknetz. Es entstehen kaum zusätzliche Baukosten, weil vorhandenes Spektrum und bestehende Sendemasten genutzt werden. Das macht Internet Air zum margenträchtigsten Wachstumsprodukt im gesamten Portfolio. Für ein kapitalintensives Unternehmen wie AT&T ist das eine bedeutende strukturelle Besonderheit.

Das unterschätzte Synergiepotenzial

Besonders interessant ist die sogenannte Konvergenzrate der Kunden. Bei AT&T-eigenen Glasfasernutzern beziehen 42 Prozent auch einen AT&T-Mobilfunkvertrag. Ohne die neu hinzugewonnenen Lumen-Kunden liegt diese Quote sogar bei 45 Prozent. Bei den übernommenen Lumen-Kunden liegt die entsprechende Quote derzeit bei unter 20 Prozent. Konvergenzrate bezeichnet dabei den Anteil der Glasfaserkunden, die gleichzeitig einen Mobilfunkvertrag beim selben Anbieter halten. Gleichzeitig liegt die Glasfaser-Durchdringung im Lumen-Bestand bei rund 25 Prozent, verglichen mit 40 Prozent im AT&T-Stammgeschäft.

Das Delta zwischen diesen Zahlen ist das eigentliche Wachstumspotenzial. Wenn AT&T die Konvergenzrate im übernommenen Lumen-Bestand auf das eigene Niveau anhebt, entstehen Hunderttausende zusätzliche Mobilfunkverträge und Glasfaserabonnements, ohne dass dafür weitere Investitionsausgaben anfallen. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden und finanziert. Das ist ein Hebel, den Marktbeobachter in der Breite noch nicht vollständig einpreisen.

Zusätzlich hat AT&T das Produkt AT&T OneConnect eingeführt: ein einheitlicher Tarif für Glasfaser und Mobilfunk zu einem festen Monatspreis, ohne klassische Bündelrabatte. Das ist ein direkter Angriff auf die Konkurrenten Verizon und T-Mobile, die weiterhin auf separate Tarifkombinationen setzen.

Bewertung und Dividende: Ein seltenes Gleichgewicht

AT&T notiert derzeit bei rund 26,20 Dollar. Analysten erwarten für 2026 ein Ergebnis je Aktie von 2,32 Dollar, für 2027 von 2,56 Dollar und für 2028 von 2,89 Dollar. Das ergibt ein Gewinnwachstum von 25,1 Prozent über zwei Jahre. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2028er-Schätzung liegt bei 9,1.

Zum Vergleich: Verizon wächst im selben Zeitraum nur um 16,8 Prozent, wird aber bereits mit dem 8,1-Fachen des 2028er Gewinns bewertet. Walmart und Costco, die als defensive Basisinvestments gelten, werden mit dem 35- bis 50-Fachen der aktuellen Gewinne gehandelt, bei ähnlichen oder sogar niedrigeren Wachstumsraten. AT&T hat eine höhere Wachstumsdynamik als Costco und liegt knapp unter Walmart, wird aber mit einem Bruchteil bewertet.

Gleichzeitig zahlt AT&T eine Dividende von 1,11 Dollar je Aktie. Das ergibt bei aktuellem Kurs eine Rendite von 4,24 Prozent. Der Free-Cashflow-Ausschüttungsquotient liegt bei rund 44 Prozent. Von den 18 Milliarden Dollar Free Cashflow fließen rund 8 Milliarden an Aktionäre, mehr als 10 Milliarden verbleiben für Schuldenabbau und Aktienrückkäufe. Bis Ende 2027 hat das Management Rückkäufe im Umfang von 20 Milliarden Dollar genehmigt. Diese Kombination aus Dividendenrendite, Ausschüttungsdeckung und Rückkaufprogramm ist in dieser Form selten.

Risiken, die Anleger kennen sollten

Ein ausgewogenes Bild erfordert den Blick auf die Risiken. AT&T hat den Gesamtmarkt in den vergangenen Jahren deutlich underperformt. Die Aktie notiert trotz Dividendenzahlungen kaum höher als vor einigen Jahren. Wenn die Fed die Zinsen nicht senkt und die Inflation hartnäckig bleibt, entfällt der Refinanzierungsvorteil. Die Lumen-Integration bringt in diesem Jahr erhöhte Integrationskosten, die bei unerwarteten Problemen die Margenprognosen belasten könnten. Und die Konkurrenz von T-Mobile und Verizon wird bei der Preisgestaltung aggressiver, was die Abwanderungsrate erhöhen könnte.

Ein Telefonriese, der neu bewertet werden sollte

AT&T ist nicht mehr das Unternehmen der Warner-Bros.-Ära mit überdehnter Medienstrategie und Milliardenabschreibungen. Was geblieben ist, ist ein fokussiertes Konnektivitätsunternehmen mit wachsender Glasfaserinfrastruktur, stabilem Mobilfunkgeschäft und einem Free-Cashflow-Profil, das viele Industrieunternehmen neidisch machen dürfte. Der Markt bewertet die Aktie, als wäre die alte Geschichte noch nicht abgeschlossen. Die Zahlen des ersten Quartals legen nahe, dass sie es ist.

Das Zusammenspiel aus Rekordwachstum bei Breitbandanschlüssen, einem disziplinierten Kapitalallokationsrahmen, einem ungenutzten Synergiepotenzial aus der Lumen-Übernahme und einem möglichen Zinssenkungszyklus schafft eine Konstellation, die der Markt derzeit mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet. Ob die Neubewertung in den nächsten Quartalen einsetzt, bleibt offen. Die operative Grundlage dafür ist gelegt.

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