Ein einziger Kennzahlensatz reichte aus, um die Atlassian-Aktie am Freitag in die Höhe zu katapultieren: Der Softwarekonzern kehrte im vierten Geschäftsquartal 2026 erstmals seit langem in die operative Gewinnzone zurück. Im deutschen Handel schloss das Papier am Freitag bei 128,80 Euro – ein Tagesplus von 34,87 Prozent. Anleger reagierten damit auf Zahlen, die die Markterwartungen an mehreren Stellen übertrafen.
Kräftiger Umsatzsprung und Margensprung
Im vierten Quartal des am 30. Juni beendeten Geschäftsjahres 2026 steigerte Atlassian den Umsatz um 28 Prozent auf 1,766 Milliarden US-Dollar. Das Cloud-Geschäft wuchs mit 31 Prozent auf 1,213 Milliarden Dollar sogar noch schneller und bleibt damit der zentrale Wachstumstreiber. Die Subscription-ARR, also die annualisierten Abo-Umsätze, kletterte auf 6,606 Milliarden Dollar, ein Plus von 23 Prozent. Entscheidend für die Kursreaktion war jedoch die Profitabilität: Die GAAP-Operating-Margin sprang von minus 2 Prozent im Vorjahresquartal auf plus 12 Prozent, die Non-GAAP-Marge stieg von 24 auf 36 Prozent. Unter dem Strich verdiente Atlassian nach GAAP 139,1 Millionen Dollar beziehungsweise 0,55 Dollar pro Aktie, bereinigt waren es 473 Millionen Dollar oder 1,87 Dollar pro Aktie – und damit deutlich mehr, als der Konsens von 1,50 Dollar vorgesehen hatte. Der freie Cashflow des Quartals lag bei 475 Millionen Dollar, eine Marge von 27 Prozent.
Auf Jahressicht wuchs der Umsatz um 26 Prozent auf 6,572 Milliarden Dollar, während die GAAP-Operating-Margin für das Gesamtjahr mit 0,2 Prozent noch knapp über der Nulllinie verharrte. Unter dem Strich stand für das Geschäftsjahr 2026 sogar ein GAAP-Nettoverlust von 54 Millionen Dollar, dem ein bereinigter Nettogewinn von 1,53 Milliarden Dollar gegenüberstand – eine Differenz, die vor allem aktienbasierte Vergütungen von 1,61 Milliarden Dollar erklären, immerhin 24 Prozent des Jahresumsatzes.
Rovo als Wachstumsmotor, aber schrumpfende Kassenreserve
Für den Optimismus vieler Anleger sorgt vor allem die KI-Plattform Rovo, die inzwischen bei mehr als 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen im Einsatz ist. Die Zahl der Rovo-Kunden wächst nach Unternehmensangaben mehr als doppelt so schnell wie im Vorjahr, während die Nettoumsatz-Retentionsrate über 120 Prozent liegt. Auch die Restanden Auftragswerte (RPO) legten kräftig zu, um 44 Prozent auf 4,817 Milliarden Dollar.
Auf der anderen Seite zeigt der Blick auf die Bilanz, dass der Ausbau der Profitabilität nicht ohne Einschnitte gelang. Atlassian hat im vergangenen Geschäftsjahr rund 1.100 Stellen abgebaut, etwa acht Prozent der Belegschaft, verbunden mit Restrukturierungskosten von 279,5 Millionen Dollar. Parallel dazu schmolz der Kassenbestand von 2,51 Milliarden auf 1,24 Milliarden Dollar zusammen.
Vorsichtiger Ausblick bremst die Fantasie
Trotz der Kursrally warnte Atlassian gleichzeitig vor einer deutlichen Wachstumsverlangsamung im laufenden Geschäftsjahr 2027. Die Subscription-ARR soll nur noch um 18 Prozent zulegen, der Gesamtumsatz um 13 Prozent, während das Cloud-Geschäft mit 25,5 Prozent wachsen soll. Bei der Profitabilität rechnet das Management für das Gesamtjahr mit einer GAAP-Operating-Margin von lediglich 4,5 Prozent – für das kommende erste Quartal werden sogar nur 6,5 Prozent in Aussicht gestellt. Die Non-GAAP-Marge soll bei 25 Prozent liegen, spürbar unter den 30 Prozent des abgelaufenen Jahres. Besonders auffällig: Das Data-Center-Segment, das im vierten Quartal noch um 21 Prozent auf 462 Millionen Dollar zulegte, soll im neuen Geschäftsjahr um 17 Prozent einbrechen – ein Hinweis darauf, dass Kunden zunehmend in die Cloud wechseln.
Der scharfe Kurssprung vom Freitag relativiert sich, blickt man auf die längere Frist. Vom 52-Wochen-Hoch bei 162,06 Euro, das im vergangenen August markiert wurde, notiert die Aktie noch immer 20,52 Prozent entfernt. Seit Jahresbeginn steht mit minus 7,43 Prozent weiterhin ein Verlust in den Büchern. Die jüngste Erholung zeigt damit vor allem, wie stark die Aktie zuvor unter Druck geraten war – der überraschende Sprung in die operative Gewinnzone hat das Vertrauen der Anleger zumindest kurzfristig zurückgebracht.
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