Während der australische Aktienmarkt am Mittwoch moderat zulegte, erwischte es den Börsenbetreiber ASX Ltd umso härter. Die Aktie fiel um 8,8 Prozent auf 46,54 australische Dollar — ein Fünfjahrestief.
Regulierungsdruck als Dauerthema
Ausgerechnet an diesem Tag meldete sich Australiens scheidender Chefaufseher zu Wort. ASIC-Chef Joe Longo, dessen fünfjährige Amtszeit am Freitag endet, warnte vor erdrückender Regulierungskomplexität. Das australische Unternehmensrecht umfasse mehr als 3.300 Seiten und sei für Firmen wie Startups kaum noch handhabbar. Der dürftige IPO-Markt gibt ihm recht: Im ersten Quartal 2026 wurden in Australien lediglich IPOs im Umfang von 11 Millionen Dollar durchgeführt — einer der niedrigsten Werte seit der Finanzkrise 2008. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2021 hatten Unternehmen noch mehr als 500 Millionen Dollar eingesammelt.
Longo sprach sich für vereinfachte Offenlegungspflichten und erleichterte Börsennotierungsanforderungen aus — Maßnahmen, die direkt dem Geschäftsmodell der ASX zugutekämen. Sein Nachfolger wird die stellvertretende ASIC-Vorsitzende Sarah Court.
Glencore-Listing als Lichtblick
Indes gibt es einen potenziellen Katalysator, der mittelfristig für Auftrieb sorgen könnte. AustralianSuper, einer der größten Pensionsfonds des Landes, äußerte sich positiv zu einem möglichen Zweitlisting des Rohstoffriesen Glencore an der ASX. Portfoliomanager Luke Smith nannte die australische Börse „den besten und informiertesten Bergbau-Aktienmarkt der Welt“ — ein Umfeld, in dem Glencore seinen wahren Wert besser abbilden könnte. Glencore selbst hat signalisiert, eine Notierung in Australien zu prüfen.
Ein solches Listing würde der ASX neues Handelsvolumen und internationale Sichtbarkeit bringen — beides dringend nötig angesichts der anhaltenden Schwäche im Neuemissionsgeschäft. Ob und wann Glencore den Schritt tatsächlich vollzieht, bleibt offen. Für die ASX wäre es einer der bedeutendsten Zugänge seit Jahren.
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