Ein gescheiterter Studienendpunkt allein hätte Astrazeneca kaum ins Wanken gebracht. Was die Aktie am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit Jahren drückte, war etwas anderes: die Frage, ob der Konzern sein eigenes Versprechen an die Börse noch halten kann.
Die Phase-III-Studie CARDIO-TTRansym zum Herzmittel Wainua (Eplontersen) verfehlte ihr Hauptziel. Der Wirkstoff sollte bei der seltenen Herzmuskelerkrankung ATTR-CM sowohl das kardiovaskuläre Sterberisiko senken als auch wiederkehrende Herzereignisse verhindern. Beides ließ sich über 140 Wochen im Vergleich zu Placebo nicht ausreichend belegen. Die Aktie brach in London zeitweise um bis zu 9,7 Prozent ein, an der NYSE ging es im vorbörslichen Handel um 8,4 Prozent nach unten.
Warum die Reaktion so heftig ausfiel
Der eigentliche Auslöser für die scharfe Kursreaktion liegt weniger in den entgangenen Erlösen als im Reputationsschaden. Analysten von Jefferies betonten, AstraZeneca sei „sehr zuversichtlich“ gewesen, den primären Endpunkt zu treffen — gerade diese Selbstsicherheit mache den Fehlschlag schwerer verdaulich. Das Haus rechnet nun mit rund 2,5 Milliarden Dollar weniger risikoadjustiertem Umsatz für das Präparat, sieht aber das Konzernziel von 80 Milliarden Dollar Umsatz bis 2030 nicht gefährdet.
Ein Blick auf die Studiendetails erklärt das Problem: 57 Prozent der Teilnehmer erhielten bereits zu Studienbeginn einen sogenannten Stabilisator, weitere 24 Prozent begannen eine solche Behandlung während der Laufzeit. Weil die Vergleichsgruppe damit schon gut versorgt war, zeigte Wainua als Zusatztherapie keinen signifikanten Zusatznutzen. Nur bei Patienten ohne Stabilisator ergab sich ein „nominell signifikanter“ Vorteil. Citi-Analysten halten eine zusätzliche Zulassung für diese Indikation für unwahrscheinlich, da der Nasdaq-notierte Konkurrent Alnylam mit Amvuttra bereits ein zugelassenes Mittel für ATTR-CM auf dem Markt hat — dessen Aktie legte vorbörslich um 17 Prozent zu.
Die bestehende Zulassung von Wainua für andere Indikationen mit fehlgefalteten Proteinen bleibt von dem Studienergebnis unberührt, wie AstraZeneca bestätigte. Miterschütterer der Entwicklung ist Ionis Pharmaceuticals, das Wainua in den USA mitentwickelt: Die Aktie brach vorbörslich um 20 Prozent ein.
Jefferies rechnet damit, dass Investoren vorerst abwarten, bis der nächste große Katalysator für die AstraZeneca-Pipeline vorliegt: die Krebsstudie AVANZAR. Vollständige Daten zu CARDIO-TTRansym sollen im August auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellt werden.
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