Ein gescheiterter Studienendpunkt, und die Aktie steigt trotzdem. Bei Astrazeneca zeigt sich derzeit ein Muster, das viele Anleger überrascht: Rückschläge im Pipeline-Alltag verpuffen fast wirkungslos, solange die großen Zukunftsprogramme intakt bleiben.
Auslöser war die SERENA-4-Studie zum Brustkrebsmedikament Etcamah (camizestrant) in Kombination mit Pfizers Ibrance. Das Hauptziel, das Fortschreiten der Krankheit bei unbehandelten Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs zu verlangsamen, wurde verfehlt.
Eine numerische Verbesserung gab es zwar, statistische Signifikanz aber nicht. Astrazeneca betonte, Etcamah bleibe das einzige orale SERD mit nachgewiesenem Nutzen in der Erstlinientherapie und verwies auf die bereits zugelassene Indikation über die SERENA-6-Studie.
Fast zeitgleich lieferte das Unternehmen mit Partner Daiichi Sankyo positive Daten zu Enhertu bei fortgeschrittenem Lungenkrebs – sechs Monate längeres progressionsfreies Überleben gegenüber der Standardtherapie. Diese Nachricht dürfte den SERENA-4-Dämpfer im Handel überdeckt haben. Die Aktie legte in London zeitweise zu, statt zu fallen.
Die Wette auf 2027
Bank of America hat Astrazeneca kürzlich zur Top-Pharma-Empfehlung erklärt und begründet dies mit einer Bewertung von rund dem 13,5-Fachen der für 2027 erwarteten Gewinne. Das liegt unter dem aktuellen Marktmultiplikator von etwa 15,5. Der Case der Bank: Der Markt preist die Patentablauf-Risiken bereits zu stark ein, während ein dichter Katalysatorkalender – CAMBRIA-1, saruparib, das Farxiga-Lifecycle-Management sowie ein orales PCSK9-Präparat – 2027 zum Beweisjahr machen könnte.
Die Kernannahme dahinter: Selbst ein Scheitern des Studienprogramms AVANZAR, dessen Konsensumsatz bei etwa einer Milliarde Dollar liegt, würde die Ertragsbasis nicht zerstören. Camizestrants Potenzial würde sich in diesem Szenario einfach zu den CAMBRIA-Studien in der Früherkennungs-Indikation verschieben – aus einem kompletten Pipeline-Verlust würde eine Verzögerung.
Gegenposition bleibt bestehen
HSBC sieht das skeptischer. Die Bank hatte Astrazeneca bereits nach dem Rückschlag beim Medikament Wainua herabgestuft und vor einem zunehmend volatilen Katalysatorpfad für den weiteren Jahresverlauf 2026 gewarnt. Hinzu kommt ein Überhang aus Übernahmespekulationen rund um Bristol-Myers Squibb, die zwar dementiert wurden, aber Fragen zur Kapitalallokation wieder aufleben ließen.
Die Aktie notiert trotz der jüngsten Gewinne im Jahresverlauf 2026 noch rund 13 Prozent im Minus. Analysten sehen im Schnitt noch deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber den aktuellen Kurszielen. Ob sich dieses Potenzial hebt, hängt maßgeblich davon ab, wie die noch ausstehenden Studienergebnisse aus dem dichten Katalysatorkalender für 2027 ausfallen.
