AstraZeneca hat zur Wochenmitte eine Reihe neuer klinischer Ergebnisse vorgelegt, die in der Onkologie-Pipeline des Pharmakonzerns ein gemischtes Bild zeichnen.
Während die Nachricht über den Abbruch einer großangelegten Phase-3-Studie die Anleger zunächst vorsichtig stimmte, sorgten positive Daten aus zwei anderen Programmen zur Behandlung von Lungenkrebs für einen Stimmungsumschwung am Markt. Die Aktie notiert heute bei 141,65 € und damit 2,1 % im Plus.
Abbruch der Volrustomig-Studie belastet Pipeline-Aussichten
Der Konzern gab am gestrigen Dienstag bekannt, dass die klinische Prüfung eVOLVE-Lung02 vorzeitig beendet wird. In dieser Phase-3-Studie wurde der bispezifische Antikörper Volrustomig als Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) untersucht.
Ein unabhängiges Gremium (IDMC) kam nach einer Zwischenanalyse zu dem Schluss, dass die Studie ihre primären Endpunkte — das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben — im Vergleich zu einer Kombination aus Chemotherapie und dem Konkurrenzpräparat Keytruda wahrscheinlich nicht erreichen würde.
An der globalen Untersuchung nahmen 895 Patienten in 25 Ländern teil. Laut Medienberichten ist dies bereits der dritte klinische Rückschlag für AstraZeneca innerhalb von zwei Monaten, nachdem zuvor Studien zu den Medikamenten Wainua und Ultomiris enttäuscht hatten.
Marktbeobachter wiesen darauf hin, dass die abgebrochene Studie rund 20 % des prognostizierten Spitzenumsatzes für Volrustomig ausmachte, der insgesamt auf über 5 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde. Die Entwicklung des Wirkstoffs in anderen Indikationen, darunter Gebärmutterhals- und Kopf-Hals-Krebs, soll jedoch fortgesetzt werden.
Erfolge mit Tagrisso und Enhertu stützen Wachstumsziele
Parallel zum Rückschlag bei Volrustomig lieferte AstraZeneca positive Nachrichten zu seinen etablierten Krebsmedikamenten Tagrisso und Enhertu. In der Phase-3-Studie SAFFRON zeigte die Kombination aus Orpathys (Savolitinib) und Tagrisso eine signifikante Verbesserung des Überlebens bei Patienten mit einer spezifischen Mutation (EGFR-mutiert, MET-getrieben). Die Analysten der Citigroup modellieren für diese Kombination einen Spitzenumsatz von etwa 500 Millionen US-Dollar.
Zudem erreichte die Studie DESTINY-Lung04 ihren primären Endpunkt. Hierbei wurde Enhertu als Erstlinientherapie bei Patienten mit HER2-mutiertem NSCLC eingesetzt. Laut Citigroup könnte diese Indikation zusätzliche Erlöse von 145 Millionen US-Dollar generieren. Trotz der gemischten Studiendaten hält das Management an dem langfristigen Ziel fest, den Konzernumsatz bis zum Jahr 2030 auf 80 Milliarden US-Dollar zu steigern.
Analysten uneinig über Bewertung und Kursziel
Die jüngsten Nachrichten führten zu unterschiedlichen Reaktionen in den Analysehäusern. Während die Citigroup ihre Einstufung auf „Buy“ belässt, zeigt sich die Deutsche Bank deutlich skeptischer. Sie bestätigte heute ihr „Sell“-Rating mit einem Kursziel von 115 Britischen Pfund und sieht damit ein Abwärtspotenzial für den Wert. Im Gegensatz dazu bleibt die UBS bei ihrer Kaufempfehlung und setzt ein deutlich höheres Kursziel von 17.600 Britischen Pence an.
Auf der Führungsebene gab es zudem eine Meldung zu Aktienbeteiligungen. Die Finanzvorständin (CFO) Aradhana Sarin erhielt am Montag 11.133 Aktien aus einem im Jahr 2021 gewährten Performance-Programm.
Trotz des heutigen Kursanstiegs weist die Astrazeneca-Aktie seit Jahresbeginn ein Minus von 10 % auf. Investoren blicken nun verstärkt auf die kommenden Quartalsberichte, um die Auswirkungen der Pipeline-Veränderungen auf die langfristige Guidance bewerten zu können.
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