Aston Martin war beim Börsengang 2018 mit 19 Pfund je Aktie und einer Bewertung von 4,3 Milliarden Pfund angetreten. Freitag stand die Aktie bei rund 42 Pence, Marktkapitalisierung noch knapp 430 Millionen Pfund. Das ist kein schleichender Niedergang mehr.
Und die Aktie ist nicht mal das Schlimmste. Auch die Anleihen des Unternehmens, insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Pfund ausstehend, sind auf Rekordtiefs gerutscht. Die größte Anleihe, 1,05 Milliarden Pfund mit einem Kupon von 10 Prozent, fiel am Dienstag auf 75 Pence auf das Pfund. Wer diese Papiere heute hält, bekommt dafür eine Rendite von mehr als 20 Prozent geboten. Kein Schnäppchen, sondern ein Alarmsignal.
Aston Martin Lagonda Global Holdings Plc Aktie Chart
„Wer wird diesmal der Retter sein?“
Ein Hochzinsanleihe-Investor behauptet gegenüber der Financial Times: „Sie sind sehr nah daran, kein Geld mehr zu haben, und ich bin nicht sicher, wer in diesem Umfeld ihr weißer Ritter sein wird.“ Die Einschätzung weiter: Liquidität reicht bis Ende des zweiten Quartals, danach muss Kapital her.
Dabei ist Aston Martin das Stützen durch Großaktionäre schon gewohnt. Lawrence Stroll, der kanadische Milliardär und Verwaltungsratschef, hat zuletzt erst wieder eingegriffen. Erst über den Verkauf der Minderheitsbeteiligung am Formel-1-Team, dann über den Verkauf der Namensrechte für das F1-Team an AMR GP Holdings, eine Gesellschaft, die Stroll indirekt kontrolliert. 50 Millionen Pfund frisches Geld, verpackt als Branding-Deal. Kreativ, ohne Zweifel.
Dritte Gewinnwarnung, dritter Akt
Im Februar meldete Aston Martin die dritte Gewinnwarnung binnen Jahresfrist. Der bereinigte Jahresverlust vor Steuern und Zinsen werde „leicht unterhalb“ der unteren Analystenerwartung von 184 Millionen Pfund liegen. Zum Jahresende 2025 lagen noch 250 Millionen Pfund in der Kasse, doch der Cashburn erzählt die eigentliche Geschichte: 321 Millionen Pfund verbrannt im ersten Halbjahr 2025, 313 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist kein Trend, das ist Konstanz beim Geldverbrennen.
Dazu kommt die Abhängigkeit vom US-Markt, der durch Trumps Zölle auf britische Fahrzeuge empfindlich getroffen wird. Und der Valhalla, der Hybrid-Supersportwagen, der die Wende bringen sollte, rollte langsamer als geplant an.
Glauben die Aktionäre noch daran?
Helen Rodriguez von CreditSights schrieb im Februar, Investoren müssten darauf vertrauen, dass die Großaktionäre weiter stützen, ob über Eigenkapital oder kreativere Lösungen wie die Namensrechte. Geely und der saudische Staatsfonds PIF sind ebenfalls an Bord. Das ist eine illustre Runde. Doch irgendwann stellt sich die Frage, wie oft dieselben Geldgeber dieselbe Lücke stopfen wollen, bevor sie die Geduld verlieren.
Aston Martin wollte sich gegenüber der Financial Times nicht äußern. Verständlich. Was hätte man auch sagen sollen.
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