Die Deutsche Bank sieht den jüngsten Ausverkauf bei AST SpaceMobile als Fehlinterpretation der Wettbewerbslage. Gestern stufte Analyst Bryan Kraft die Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und bestätigte sein Kursziel von 93 US-Dollar. Seine These: Der Wert der Frequenzrechte und mögliche zusätzliche Mobilfunkpartnerschaften werden unterschätzt. Die Hochstufung steht allerdings deutlich vorsichtigeren Umsatzprognosen anderer Analysten gegenüber.
Frequenzrechte stützen die Bewertung
Kraft schätzt, dass die Frequenzrechte von AST SpaceMobile den Unternehmenswert bis auf etwa 10 US-Dollar je Aktie abdecken. Damit begründet er seine Kaufempfehlung nicht allein mit dem erwarteten Wachstum des Satellitengeschäfts. Er misst auch den bereits kontrollierten Frequenzen erheblichen Wert bei.
Das ist eine Bewertung des Analysten, keine garantierte Untergrenze für den Aktienkurs. Für Anleger hängt die Überzeugungskraft dieser These davon ab, ob sich die Frequenzposition in nutzbare Dienste und kommerzielle Erträge übersetzen lässt.
Den Kursrückgang vom Freitag um rund 10 Prozent bezeichnet Kraft als fehlgeleitet. Auslöser war SpaceX’ am Donnerstag angekündigter Kauf von 14 MHz Spektrum von Grain Management. Nach seiner Einschätzung macht dieser Schritt SpaceX nicht wettbewerbsfähiger als Partner für direkte Satellitenverbindungen zu Mobiltelefonen.
Entscheidend ist für Kraft die unterschiedliche Ausrichtung der Unternehmen. AST SpaceMobile ziele nicht auf das Geschäft direkt mit Endkunden, sondern auf Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern. Die Expansion von SpaceX muss deshalb aus seiner Sicht nicht automatisch die strategische Position von AST schwächen.
T-Mobile als mögliche zusätzliche Chance
Ein wichtiger Baustein der Kaufthese ist T-Mobile. Kraft hält einen Wechsel von Starlink zu AST SpaceMobile als Satellitenpartner zunehmend für wahrscheinlich. AT&T, Verizon und T-Mobile hatten am 1. Oktober die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens vereinbart.
Ein solcher Wechsel ist jedoch nicht bestätigt. Die Aussage beschreibt eine Erwartung des Analysten und keinen gewonnenen Auftrag. Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich: Eine mögliche Partnerschaft kann die Perspektiven verbessern, ersetzt aber noch keine vertraglich gesicherten Erlöse.
Die Aktie gewann gestern 1,4 Prozent und erhielt damit nach der Hochstufung etwas Unterstützung. Die Kursreaktion bestätigt allerdings weder Krafts Bewertung der Frequenzen noch seine Erwartung zu T-Mobile.
Verzögerungen begrenzen die Wachstumsthese
Auf der operativen Seite fällt das Bild vorsichtiger aus. William Blair senkte seine Umsatzschätzung für 2027 von 752 auf 459 Millionen US-Dollar. Als Gründe nannte das Analysehaus langsamere Starts der BlueBird-II-Satelliten und Lieferverzögerungen.
Damit treffen zwei unterschiedliche Bewertungsansätze aufeinander. Die Deutsche Bank betont den strategischen Wert der Frequenzen und die Chancen im Partnergeschäft. Die gekürzte Umsatzschätzung rückt dagegen die Geschwindigkeit des Netzausbaus in den Mittelpunkt.
AST SpaceMobile hat die nächsten BlueBird-Satelliten bereits zur Startvorbereitung nach Cape Canaveral gebracht. Ein konkreter Starttermin wurde nicht genannt. Der Transport ist deshalb ein Fortschritt, aber noch kein abgeschlossener Ausbau der Konstellation.
Die Kaufempfehlung setzt somit auf strategischen Wert trotz operativer Unsicherheit. Für eine belastbarere Wachstumsthese braucht AST SpaceMobile weitere erfolgreiche Starts und die Überführung seiner Partnerschaften in kommerzielle Dienste. Bis dahin bleibt der Unterschied zwischen wertvollen Frequenzrechten und tatsächlich erzielten Umsätzen der zentrale Prüfstein.
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