Scotiabank hat AST SpaceMobile am Freitag von „Sector Underperform“ auf „Sector Perform“ hochgestuft – ein Ratingwechsel, der auf den ersten Blick nach Entwarnung klingt. Das neue Kursziel von 50,80 US-Dollar liegt jedoch deutlich unter dem Eröffnungskurs von 58,98 US-Dollar, den die Aktie am selben Tag markierte. Die Analysten trauen dem Papier trotz der Höherstufung also weiterhin keinen Anstieg zu – ein Signal, dass operative Fortschritte allein die Bewertungsfrage noch nicht klären.
Analysten uneins wie selten
Die Bandbreite der Einschätzungen am Markt fällt ungewöhnlich groß aus. Während Roth Capital ein Kursziel von 108 US-Dollar mit Kaufempfehlung ausgibt, sieht Barclays das Papier bei 65 US-Dollar und stuft es als „Underweight“ ein. Wall Street Zen votiert sogar mit „Strong Sell“. Der Analystenkonsens landet insgesamt bei „Hold“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 87,60 US-Dollar. Diese Streuung spiegelt die grundsätzliche Unsicherheit über AST SpaceMobiles Weg von der Testphase zur kommerziellen Skalierung wider. Verschärft wird das Bild durch die jüngsten Geschäftszahlen: Im ersten Quartal wies das Unternehmen einen Verlust je Aktie von 0,66 US-Dollar aus, während Analysten nur mit 0,23 US-Dollar Verlust gerechnet hatten. Der Umsatz blieb mit 14,73 Millionen US-Dollar ebenfalls deutlich unter der Konsensschätzung von 39,01 Millionen US-Dollar zurück, wuchs im Jahresvergleich aber um mehr als das Neunzehnfache. Parallel dazu haben in den vergangenen Monaten mehrere Führungskräfte Aktienpakete abgestoßen, darunter ein Vorstandsmitglied und der Technikchef, mit einem Gesamtvolumen von rund 9,75 Millionen US-Dollar.
Satelliten-Produktion nimmt Fahrt auf
Operativ meldet AST SpaceMobile spürbaren Fortschritt. Nachdem im April eine Rakete von Blue Origin beim Start scheiterte und der Satellit BlueBird 7 in eine Fehlumlaufbahn geriet – ein Verlust von 155 bis 160 Millionen US-Dollar, der jedoch versichert war –, wechselte das Unternehmen für die Starts auf SpaceX-Trägerraketen. Im Juni brachte eine Falcon 9 bereits die Satelliten BlueBird 8, 9 und 10 ins All, ausgestattet mit den nach Unternehmensangaben größten kommerziellen Kommunikationsarrays im niedrigen Erdorbit. Für den 5. August stehen nun BlueBird 11 bis 13 zum Start bereit, weitere Modelle mit den Nummern 14 bis 16 sollen folgen. Die Produktion läuft laut Unternehmen bereits bis zu Satellit 42 weiter. Die Fertigungsanlagen für die Satelliten stehen in Texas, von wo die Bauteile für den Start nach Cape Canaveral in Florida verschifft werden.
Expansion in Texas und Kanada
Um die wachsende Produktion zu stemmen, baut AST SpaceMobile seine Kapazitäten in Midland, Texas, deutlich aus. Eine neue, rund 400.000 Quadratfuß große Fertigungsanlage soll in den kommenden zwölf Monaten in Bau gehen und mehr als 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Montage, Fertigungshandwerk und Ingenieurwesen schaffen. International kommt derweil die Vermarktung voran: Bell Canada hat in Quebec eine Bodenstation für den Satelliten-zu-Mobilfunk-Dienst fertiggestellt und plant den Servicestart für Anfang kommenden Jahres. Der kanadische Wettbewerber Rogers hatte im Vorjahr bereits einen ähnlichen Dienst gemeinsam mit Starlink eingeführt – ein Hinweis darauf, dass sich der Wettbewerb um Direkt-zu-Handy-Satellitenverbindungen in Nordamerika verschärft.
Kursverlauf: Deutlicher Abstand zum Jahreshoch
Die Handelsdaten zeigen, wie sehr die Aktie unter Druck steht. Am Freitag schloss das Papier bei 51,20 Euro, ein Plus von 0,79 Prozent auf Tagesbasis – ein kleiner Lichtblick nach einem schwachen Monat. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 32,36 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 114,60 Euro, erreicht Ende Mai, trennen die Aktie inzwischen 55,32 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen operativen Meilensteinen wie den bevorstehenden Satellitenstarts und der schwachen Kursentwicklung dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen, zumal der Starttermin am 5. August als nächster konkreter Prüfstein gilt.
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