Eine Push-Nachricht auf dem Smartphone hat Asos heute Morgen auf dem falschen Fuß erwischt. Mutmaßliche Hacker behaupten, die Snowflake-Umgebung des britischen Online-Modehändlers vollständig kompromittiert zu haben. Die Aktie reagierte prompt mit deutlichen Verlusten.
Drohung über die eigene App
Die Nachricht ging über die offizielle Asos-App an Kunden und richtete sich an den Datenschutzbeauftragten sowie die IT-Mitarbeiter. Der Wortlaut: „We have fully compromised the Snowflake instance. Engage with us, or we will leak it.“ Beigefügt war ein Link zu einem Telegram-Kanal. Andernfalls drohe die Veröffentlichung von Kundendaten.
Die Cybersicherheitsfirma Sophos erklärte, die dahinterstehende Gruppe zuvor nicht gekannt zu haben. Sie tauche auch in den von ihr beobachteten Telegram-Kanälen und Foren nicht auf.
Asos hat sich bislang nicht geäußert. Ob tatsächlich Daten abgeflossen sind, ist offen. Auch der Zusammenhang mit Störungsmeldungen auf der Website bleibt unklar: Kurz vor 10 Uhr meldeten laut Downdetector fast 500 Nutzer Probleme, Website und App liefen danach aber offenbar normal.
Kursreaktion und Folgen
Die Aktie rutschte zeitweise um mehr als 13 Prozent ab. Zuletzt notierte sie rund zehn Prozent im Minus bei etwa 451 Pence, nach einem Tagestief von 435,5 Pence. Der Mittelwerte-Index FTSE 250 lag derweil im Plus.
Snowflake selbst gab ebenfalls nach, allerdings nur moderat. Der Datenplattform-Anbieter war schon früher mit Datenschutzvorfällen bei mehreren großen Unternehmen in Verbindung gebracht worden. Das verleiht den Behauptungen der Angreifer zusätzliches Gewicht. Asos nutzt Snowflake, um große Mengen an Kundendaten zu speichern und zu verwalten.
Der Konzern hat rund 17 Millionen Kunden in mehr als 150 Ländern. Im Geschäftsjahr 2025 setzte er etwa 2,5 Milliarden Pfund um. Ein bestätigter Datenverlust träfe ein Unternehmen, das ohnehin mit operativen Herausforderungen und einem schwierigen Marktumfeld ringt. Neben Kosten drohen regulatorische Konsequenzen und vor allem ein Vertrauensverlust bei den Kunden.
Bestätigt sich ein Datenabfluss, muss Asos nach britischem Datenschutzrecht binnen drei Tagen die Aufsichtsbehörden informieren. Eine Stellungnahme des Unternehmens zu Umfang und Echtheit des Angriffs dürfte daher kurzfristig den Kurs bestimmen.
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