ASML: TSMC lehnt 10-Prozent-Preiserhöhung ab

ASML verzeichnet Rekordumsätze, steht aber im Preiskonflikt mit Großkunde TSMC. Analysten sehen die Aktie trotz starkem Geschäft als hoch bewertet an.

Auf einen Blick:
  • Preisverhandlungen mit TSMC laufen
  • Rekordumsatz von 9,3 Milliarden Euro
  • Jahresprognose für 2026 angehoben
  • Aktienrückkauf und Dividende bestätigt

Asml hat gerade Rekordzahlen präsentiert. Trotzdem knabbert die Aktie an ihrem eigenen Erfolg. Der Grund liegt nicht in den Geschäftszahlen, sondern in einem offenen Preiskonflikt mit dem wichtigsten Kunden des Konzerns: TSMC.

Am Donnerstag notierte das Papier bei 1.576,80 Euro, ein Minus von 0,11 Prozent. Damit liegt die Aktie 9,79 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 1.748 Euro, das sie erst am 30. Juni erreicht hatte. Die Rally der vergangenen Monate bleibt intakt. Aber Anleger fragen sich gerade, wie viel zusätzliches Preispotenzial im Kurs schon eingepreist ist.

Dassen signalisiert höhere Preise

Finanzchef Roger Dassen sorgte bei der Analystenkonferenz für Aufsehen. ASML habe Spielraum, die Preise für einen Teil seiner Chip-Fertigungsanlagen anzuheben, sagte er. Als Begründung nannte er die nahezu ausgebuchte Kapazität für die neuesten EUV-Anlagen bis Ende 2027.

Das aktuelle Umfeld verschaffe dem Konzern „bessere Preismacht“ und eine „ziemlich starke Perspektive für künftige Preisverbesserungen“, so Dassen. Die Gespräche mit Kunden laufen bereits. Über die Zeit sollen sich die Effekte in den Zahlen zeigen.

Konkret hat ASML mit TSMC direkt über höhere Preise für seine fortschrittlichen EUV-Systeme verhandelt. Separat informierte der Konzern einige Kunden, darunter chinesische Chiphersteller, über eine geplante Preiserhöhung von 10 Prozent bei DUV-Systemen. Einige chinesische Firmen stimmten zu. TSMC dagegen lehnt Preiserhöhungen bei beiden Anlagentypen ab.

Der Streit trifft den größten Abnehmer der Welt für Auftragsfertigung von Chips. TSMC hatte zuvor öffentlich kritisiert, dass ASMLs modernste High-NA-EUV-Maschinen mit einem Stückpreis von über 350 Millionen Euro zu teuer für die Massenproduktion seien. Aus Sicht von TSMC eignen sich die Anlagen derzeit nur für Forschung und Entwicklung.

Volle Auftragsbücher als Verhandlungsmasse

ASMLs Verhandlungsposition speist sich direkt aus der eigenen Auslastung. Die Kapazität für die gängigen EUV-Anlagen ist Berichten zufolge bis Ende 2027 fast komplett ausgebucht. Kunden finden kurzfristig kaum Alternativen bei anderen Anbietern — ein Umstand, der ASMLs Verhandlungsmacht zusätzlich stärkt.

Die Preisoffensive folgt auf ein starkes zweites Quartal. Der Nettoumsatz lag bei 9,3 Milliarden Euro, die Bruttomarge bei 54,0 Prozent, der Nettogewinn bei 2,9 Milliarden Euro. Das Management hob zudem die Jahresprognose an: Für 2026 erwartet ASML nun einen Gesamtumsatz zwischen 43 und 45 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent.

Kapitalrückflüsse trotz schwächerem Cashflow

Parallel zur Preisdiskussion hält ASML an seiner Ausschüttungspolitik fest. Im zweiten Quartal kaufte der Konzern im Rahmen des laufenden Aktienrückkaufprogramms 2026-2028 Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro zurück. Zusätzlich zahlt ASML am 5. August 2026 eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie aus.

Diese Rückflüsse fließen trotz eines schwächeren freien Cashflows. Der lag im Quartal bei nur 1,3 Milliarden Euro.

China schrumpft, Südkorea wird wichtiger

Der Preisstreit trifft auf eine sich verschiebende Kundenstruktur. China machte 2025 noch 33 Prozent der Systemumsätze aus, für 2026 rechnet ASML wegen nachlassender Nachfrage und US-Exportbeschränkungen nur noch mit rund 20 Prozent. Allein innerhalb des zweiten Quartals fiel Chinas Anteil von 19 Prozent im ersten Quartal auf 14 Prozent. Südkorea bleibt mit 43 Prozent der Quartalsumsätze der größte Einzelmarkt.

Bewertung dämpft die Euphorie

Trotz der starken Zahlen fällt die Kursreaktion verhalten aus. Javier Correonero von Morningstar bringt es auf den Punkt: ASML sei zwar gut geführt, aber die Erwartungen seien bereits hoch. „Es steckt viel im Kurs, wir sehen die Aktie leicht überbewertet“, so Correonero. Er verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 50, ein Niveau, das an die Höchststände der Pandemie-Zeit erinnert.

Auf dem aktuellen Niveau notiert die Aktie 5,00 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.501,71 Euro. Das unterstreicht: Der Aufwärtstrend hält an, auch wenn sich der Kurs unterhalb seines Juni-Rekords konsolidiert. Ob ASML seine nahezu monopolartige Stellung in der EUV-Lithografie tatsächlich in dauerhaft höhere Preise ummünzen kann, ohne die Kapazitätspläne der Chiphersteller zu gefährden, entscheidet sich in den kommenden Verhandlungsrunden mit TSMC.

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