Ein Chip-Gigant, der noch nie eine eigene Fabrik gebaut hat, könnte Asml zum wichtigsten Ausrüster des Jahrzehnts machen. Elon Musks Terafab-Projekt sorgt für neuen Schwung — und der Kurs der Niederländer spricht für sich.
Musk baut, ASML liefert
Auf einer ASML-Technologiekonferenz Mitte Juni skizzierte Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk seine Terafab-Vision. Das Projekt sieht ein gemeinsames Halbleiterwerk von SpaceX und Tesla vor. Ziel ist es, Engpässe in der eigenen Chip-Versorgung zu beseitigen — von der KI-Infrastruktur bis zum Autopiloten.
Das geplante Investitionsvolumen ist enorm. Zunächst stehen 55 Milliarden Dollar bereit, langfristig könnte die Summe auf 119 Milliarden Dollar steigen. Die Fabrik soll Chips im 2-Nanometer-Verfahren produzieren — das Modernste, was die Branche aktuell bietet.
ASML ist dabei unverzichtbar. Das Unternehmen ist der einzige Hersteller von EUV-Lithographiemaschinen weltweit. Ohne diese rund 400 Millionen Dollar teuren Geräte lassen sich keine führenden KI-Chips fertigen. Eine moderne Logik-Fabrik dieser Größenordnung benötigt zwischen 80 und 100 solcher Maschinen.
CEO bestätigt: Musk meint es ernst
ASML-Chef Christophe Fouquet sprach persönlich mit Musk und zeigte sich überzeugt. Gegenüber Reuters sagte Fouquet, Musk sei „sehr ernst“ bei dem Vorhaben. Ferner warnte er, dass die KI-Nachfrage die globale Chipindustrie noch auf Jahre hinaus kapazitätsbegrenzt halten werde.
Musk seinerseits bezeichnete ASML auf X als „wohl das größte Unternehmen Europas“. Intern verlief die Reaktion weniger einhellig. Einige Mitarbeiter schrieben auf der internen Kommunikationsplattform, Musks Auftritt passe nicht zu ASMLs Werten. Als Ausrüster aller führenden Chiphersteller pflegt das Unternehmen traditionell ein neutrales Profil.
Analyst, Rückkäufe, Fundamentaldaten
Bernstein Research bekräftigte am 15. Juni sein „Outperform“-Rating und ein Kursziel von 1.700 Euro. Analyst David Dai sieht ASML als Nutznießer steigender Preise im Ausrüstungssegment — ein Zeichen, dass das Angebot an EUV-Systemen knapper wird.
Parallel kauft ASML eigene Aktien zurück. Anfang Juni erwarb das Unternehmen an drei aufeinanderfolgenden Handelstagen jeweils rund 10.000 Aktien zu Preisen zwischen 1.481 und 1.540 Euro. Das läuft im Rahmen eines bis zu 12 Milliarden Euro schweren Rückkaufprogramms für die Jahre 2026 bis 2028.
Die Fundamentaldaten stützen die Stimmung. Im April hob ASML seine Umsatzprognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro an — nach zuvor 34 bis 39 Milliarden Euro. Fouquet begründete das mit der anhaltend starken KI-Nachfrage.
Der Kurs kletterte am Mittwoch um 4,32 Prozent auf 1.623,80 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit rund 64 Prozent zugelegt und notiert nur noch knapp drei Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.674,80 Euro, das erst am 15. Juni markiert wurde. Bernsteins Kursziel von 1.700 Euro liegt damit in greifbarer Nähe — vorausgesetzt, Terafab nimmt konkrete Formen an.
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