Washington verschärft den Ton im Technologie-Streit mit Peking. Ein neues US-Gesetz bedroht das lukrative China-Geschäft des niederländischen Anlagenbauers Asml massiv. Die Börse ignoriert die politischen Risiken bisher völlig.
Die Papiere schlossen am Mittwoch bei 1.630,60 Euro. Damit notiert der Kurs nur knapp unter dem frischen Rekordhoch von Mitte Juni. Seit Jahresbeginn steht ein sattes Plus von rund 65 Prozent auf der Anzeigetafel.
Der MATCH Act greift an
US-Politiker haben den sogenannten MATCH Act auf den Weg gebracht. Das Ziel: China von wichtigen Werkzeugen für die Chip-Produktion abschneiden. Das Gesetz schließt eine verbliebene Lücke im Exportrecht. Es verbietet den Verkauf älterer DUV-Lithografiesysteme nach Fernost.
Noch härter trifft ASML ein weiteres Detail. Auch die Wartung bereits installierter Maschinen in China soll enden. Bisher durfte der Konzern diese älteren Anlagen noch an chinesische Kunden liefern und betreuen.
Die finanziellen Folgen sind spürbar. China stand im vergangenen Jahr für ein Drittel der gesamten ASML-Umsätze. Im ersten Quartal 2026 fiel dieser Anteil bereits auf 19 Prozent.
Das Management rechnete ohnehin mit einem Rückgang auf rund ein Fünftel für das laufende Jahr. Kommt das neue Gesetz durch den US-Kongress, dürfte dieser Wert weiter schrumpfen.
KI-Boom füllt die Lücke
Trotz des Gegenwinds blickt der Vorstand optimistischer in die Zukunft. ASML hob die Umsatzprognose für das laufende Jahr an. Der Konzern erwartet nun ein Wachstum von 16 Prozent auf rund 38 Milliarden Euro. Zuvor lag das Ziel bei knapp zwölf Prozent.
Der Grund für das Upgrade ist eine lukrative Verschiebung. Fehlende DUV-Umsätze aus China ersetzt das Unternehmen durch hochmargige EUV-Anlagen. Kunden aus Taiwan, Südkorea und den USA ordern diese Maschinen massiv.
Sie benötigen die Technik zwingend für die Produktion moderner KI-Chips. Hier hält ASML ein weltweites Monopol. Konkurrenten für diese komplexe Technologie existieren schlichtweg nicht.
Milliarden für eigene Aktien
Parallel stützt der Konzern den eigenen Aktienkurs. ASML kauft aktuell im Rahmen eines milliardenschweren Programms eigene Papiere zurück. Allein in der zweiten Juniwoche investierte das Unternehmen täglich fast 16 Millionen Euro in die eigene Aktie.
Analysten bleiben mehrheitlich an Bord. Goldman Sachs bestätigte kürzlich eine klare Kaufempfehlung. Jefferies rät hingegen zum Halten der Papiere. Kritiker wie Morningstar verweisen auf die ambitionierte Bewertung. Der aktuelle Kurs preise den langfristigen KI-Boom bereits weitgehend ein.
Das Spannungsfeld für Investoren bleibt bestehen. Die starke Nachfrage aus dem Westen muss die Ausfälle im China-Geschäft dauerhaft kompensieren. Solange der KI-Ausbau ungebremst weitergeht, federt das Monopol bei EUV-Anlagen die politischen Schläge ab. Fällt das US-Gesetz jedoch schärfer aus als erwartet, droht dem Kurs ein harter Realitätscheck.
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