ASML: MATCH Act bedroht China-Geschäft

Geplante US-Gesetzgebung könnte Chip-Maschinen-Lieferungen nach China stark einschränken. ASML-Aktie verliert trotz starker Quartalszahlen deutlich an Wert.

Auf einen Blick:
  • US-Gesetzentwurf bedroht China-Geschäft
  • Aktie verliert 7,1 Prozent in Woche
  • Quartalszahlen zeigen starke operative Leistung
  • Analysten halten an Kaufempfehlungen fest

Die USA wollen offenbar Druck auf die Niederlande ausüben, damit Asml praktisch keine Chip-Maschinen mehr nach China verkaufen darf. Diese Meldung, die am Donnerstag über den geplanten MATCH Act bekannt wurde, dürfte für mich der eigentliche Belastungsfaktor für die Aktie in den kommenden Wochen sein – nicht die Quartalszahlen, nicht die Sammelklage, nicht die Dividende. Hier geht es um die Substanz des Geschäftsmodells.

Eine Drohung mit Sprengkraft

Was der Bericht des NL Times zur geplanten US-Gesetzgebung nahelegt, ist kein neues Muster – ASML kennt Exportbeschränkungen seit Jahren. Neu ist die Reichweite: „fast alle“ Chip-Maschinen für China zu verbieten, würde einen Absatzmarkt treffen, der für das Unternehmen historisch bedeutsam war.

Zwar hat ASML in seiner jüngsten Prognose bereits mit einer geringeren China-Abhängigkeit kalkuliert, doch ein derart weitreichendes Verbot wäre etwas anderes als die bisherigen, eher chirurgischen Einschränkungen auf High-End-EUV-Systeme.

Für mich zählt hier vor allem die politische Mechanik: Die USA können ASML nicht direkt regulieren, sie müssen über die niederländische Regierung gehen. Das schafft diplomatischen Spielraum – aber auch Unsicherheit, die sich in der Aktie ausdrückt.

Der Kurs steht bei 1.511,20 Euro und hat in den vergangenen sieben Tagen 7,1 Prozent verloren. Das ist eine deutliche Reaktion, die sich meines Erachtens nicht allein mit Gewinnmitnahmen nach der Rekordrally erklären lässt.

Operatives Geschäft bleibt stark – aber das ist Schnee von gestern

Wer nur auf die Fundamentaldaten schaut, sieht ein Unternehmen in Topform. Das zweite Quartal brachte 9,3 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttomarge von 54 Prozent, das dritte Quartal soll mit 11 bis 12 Milliarden Euro deutlich stärker ausfallen. Die Jahresprognose wurde auf 43 bis 45 Milliarden Euro angehoben.

Intel Foundry hat mit ASMLs High-NA-EUV-Systemen bereits die Serienfertigung der „Panther Lake“-Prozessoren aufgenommen – ein technologischer Beweis, dass die teuersten Maschinen der Welt tatsächlich im großen Stil produzieren. Auch der Aktienrückkauf läuft plangemäß weiter, im zweiten Quartal wurden dafür rund 1,1 Milliarden Euro eingesetzt.

Nur: Diese Erfolge liegen mehr als einen Monat zurück, die Aktie hat seither bereits 4,3 Prozent verloren. Der Markt hat das Gute eingepreist und schaut nun nach vorn – und vorn steht die Exportfrage.

Was die Analysten (noch) nicht ändern

Sowohl Barclays als auch DBS haben ihre Kaufempfehlungen am 20. und 17. August bestätigt. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: Die geopolitische Drohkulisse hat die fundamentale Bewertung bei diesen Häusern bislang nicht verändert. Ob das so bleibt, sobald der MATCH Act konkretere Formen annimmt, wage ich zu bezweifeln. Für mich sind solche Bestätigungen in dieser Phase eher eine Momentaufnahme als ein belastbares Signal für die nächsten Monate.

Charttechnisch am Scheideweg

Der Kurs notiert derzeit 2,6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, aber noch 21 Prozent über der 200-Tage-Linie – ein Bild, das für mich eine Konsolidierung nach einer außergewöhnlichen Rally beschreibt, keinen Trendbruch.

Der RSI von 48,1 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauftheit. Die Aktie hat sich seit dem Jahrestief im September vergangenen Jahres etwa verzweieinhalbfacht – gemessen daran wirkt der aktuelle Rücksetzer geradezu moderat.

Mein Fazit

Die operative Stärke von ASML steht außer Frage, das haben die Zahlen aus dem Sommer eindrücklich belegt. Doch die eigentliche Variable für die kommenden Wochen ist politisch, nicht betriebswirtschaftlich. Ein verschärftes US-Exportregime träfe den Kern des China-Geschäfts, selbst wenn dessen relatives Gewicht zuletzt gesunken ist.

Wer die Aktie hält, sollte diese Entwicklung genauer verfolgen als jede weitere Analystenstimme – denn hier entscheidet sich, ob die Rally der vergangenen zwölf Monate eine Verschnaufpause einlegt oder eine echte Zäsur erlebt.

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