ASML: Kapazität 2027 um 30 Prozent erweitert

ASML hebt Jahresprognose an und plant massive Kapazitätserweiterung. Analysten reagieren mit zahlreichen Kurszielanhebungen, während die Aktie noch unter dem Hoch notiert.

Auf einen Blick:
  • Rekordumsatz und Gewinnsprung im Q2
  • Kapazitätsausbau um 30 Prozent geplant
  • Intel nutzt High-NA-EUV-Technologie
  • Goldman Sachs und Bernstein positiv gestimmt

Wer nach der jüngsten Berichtssaison noch zweifelte, ob der KI-getriebene Boom in der Chipbranche echte Substanz hat oder nur ein Hype ist, sollte einen Blick auf Asml werfen. Der niederländische Lithografie-Spezialist hat mit seinen Zahlen und seiner Kapazitätsplanung eine Ansage gemacht, die für mich mehr Gewicht hat als jedes einzelne Analystenkursziel: Das Unternehmen baut seine Fertigungskapazität aus, weil die Nachfrage aus der Chipindustrie schlicht da ist.

Rekordquartal, mutige Prognose

ASML meldete am 15. Juli für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 9.326,5 Millionen Euro bei einer Bruttomarge von 54,0 Prozent; der Nettogewinn stieg auf 2.917,6 Millionen Euro. Zugleich hob der Konzern seine Jahresprognose an: 43 bis 45 Milliarden Euro Umsatz und 54 bis 56 Prozent Marge sollen es 2026 werden, für das dritte Quartal avisiert das Unternehmen 11,0 bis 12,0 Milliarden Euro Umsatz bei 55 bis 57 Prozent Marge.

Für mich ist genau diese Anhebung der eigentliche Kern der Geschichte, nicht der Quartalswert allein. Ein Unternehmen, das seine eigene Prognose mitten im Jahr nach oben korrigiert, signalisiert Sichtbarkeit auf Bestellungen, die es sonst nicht hätte. Das unterscheidet ASML von vielen Zyklikern, die derzeit auf KI-Fantasie hoffen, ohne belastbare Auftragsbücher vorweisen zu können.

Kapazitätsausbau als Wette auf den KI-Boom

Noch aussagekräftiger finde ich die operative Konsequenz aus dieser Nachfrage: ASML will die Kapazität für seine NXE-Anlagen (Low-NA-EUV) und NXT-Immersionssysteme 2027 gegenüber 2026 um rund 30 Prozent erweitern und prüft für 2028 einen weiteren Sprung um 30 Prozent. Parallel liefert der Konzern erste Beweise für die Reife seiner nächsten Technologiegeneration: Intel Foundry nutzt die High-NA-EUV-Technologie bereits im 18A-Prozess, um einen Teil der Core-Ultra-Serie-3-Prozessoren (Panther Lake) zu fertigen – ein wichtiger Schritt in der Produktionsreife dieser neuen Anlagenklasse.

Wer Kapazität in dieser Größenordnung aufbaut, verpflichtet sich zu Investitionen über Jahre. Das ist riskant, wenn die Nachfrage doch nachlässt. Aber es ist zugleich ein starkes Signal, dass das Management seine eigenen Auftragsbücher für belastbar hält – und nicht für einen kurzfristigen KI-Strohfeuer-Effekt.

Analysten überbieten sich mit Kurszielen

Die Reaktion der Investmentbanken passt zu diesem Bild. Goldman Sachs nahm ASML am Montag in seine europäische Conviction List auf; Analyst Alex Duval begründete den Schritt mit höherer Visibilität bei Kapazitätserweiterungen, gestützt durch starke Auftragseingänge in Logic und DRAM. Bernstein kürte das Papier am selben Tag zum „Top Q3 Pick“. Bereits Mitte Juli hatten mehrere Häuser ihre Kursziele kräftig angehoben, darunter Deutsche Bank auf 2.150 Euro, Berenberg auf 2.100 Euro und JPMorgan auf 2.400 Dollar. Ende Juli setzte ein Analyst das Ziel sogar auf 2.452 Euro, mit Verweis auf den technologischen Burggraben des Unternehmens und eine aus seiner Sicht attraktive Bewertung.

Diese Dichte an Zielanhebungen innerhalb weniger Wochen ist ungewöhnlich und spricht meines Erachtens für einen breiten Konsens, nicht für einzelne Ausreißer.

Kurs und Bewertung: Luft nach oben, aber auch Risiko

Die Aktie notiert aktuell bei 1.505,40 Euro und legte am heutigen Freitag um 1,26 Prozent zu. Trotz der positiven Nachrichtenlage liegt sie noch rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro – die Bewertung hat also noch nicht das gesamte Analystenoptimismus vorwegnehmen können. Hinzu kommt Kapitalrückführung an Aktionäre: ASML zahlte am Dienstag eine Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie aus und hatte bis Ende Juni bereits rund 2,1 Milliarden Euro für etwa 1,7 Millionen eigene Aktien zurückgekauft.

Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für ASML als Kernprofiteur der Chip-Investitionswelle: eine angehobene Prognose, ein glaubwürdiger Kapazitätsausbau, technologische Fortschritte bei High-NA-EUV und ein breiter Analystenrückenwind. Das Risiko liegt weniger im Geschäftsmodell als in der Bewertung selbst – bei einer annualisierten Volatilität von über 50 Prozent kann der Kurs auch bei guten Nachrichten heftig schwanken. Wer an den langfristigen Kapazitätszyklus der Chipindustrie glaubt, findet in ASML dennoch einen der am klarsten positionierten Werte der gesamten Branche.

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