Zwei Nachrichten aus dem Sommer erzählen dieselbe Geschichte aus entgegengesetzten Richtungen. Die eine kommt aus Oregon, wo Intel Foundry Prozessoren der Core-Ultra-Serie 3 mit ASMLs neuester High-NA-EUV-Technologie in Serie fertigt.
Die andere kommt aus Shanghai, wo ein chinesischer Anlagenbauer erste einfache DUV-Systeme an heimische Chiphersteller ausliefert. Zusammen zeigen sie, wohin sich die Halbleiterindustrie in den kommenden Jahren bewegt – und warum Asml mitten in diesem Auseinanderdriften steht.
Die Spitze der Technologie bleibt konzentriert
Am Rand der Chipfertigung, dort wo es um die kleinsten Strukturen geht, hat sich an ASMLs Position wenig verändert. Intel meldete Mitte Juli, dass ausgewählte Schichten des Intel-18A-Verfahrens nun sowohl auf dem etablierten NXE-Platform als auch auf der neuen EXE-High-NA-Anlage qualifiziert seien – bei vergleichbaren Ausbeuten. Das ist mehr als eine technische Randnotiz. Es bedeutet, dass die teuerste und komplizierteste Maschine, die ASML je gebaut hat, jetzt tatsächlich in der Massenfertigung ankommt, nicht nur im Labor.
Genau an dieser Stelle setzt auch die Zuversicht der Analysten an. Bernstein-Analyst Didier Scemama bekräftigte Anfang August sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 2.452 Euro und verwies auf die Lithografie-Führerschaft und die Durchsatz-Roadmap des Unternehmens.
Wenige Tage zuvor hatte Bernstein ASML zum „Top Q3 Pick“ unter den Halbleiterwerten gekürt, Goldman Sachs nahm das Papier Ende Juli in seine europäische Überzeugungsliste auf. Drei Häuser, ein Tenor: An der Spitze der Technologiepyramide sieht niemand einen ernsthaften Herausforderer für ASML.
Am unteren Ende wächst die Konkurrenz – langsam
Ganz anders das Bild am einfacheren Ende des Marktes. Shanghai Aishengna Electronic Technology Group hat vor gut drei Wochen begonnen, immersions-basierte DUV-Systeme in Serie zu fertigen. Die ersten Maschinen sollen noch in diesem Jahr an SMIC, Hua Hong Semiconductor und ChangXin Memory Technologies gehen.
Die Stückzahlen bleiben überschaubar: rund fünf Einheiten 2026, etwa zwanzig im Jahr darauf. Das ist kein Angriff auf ASMLs Kerngeschäft, aber ein Signal, dass China an genau der Stelle Fortschritte macht, wo Exportbeschränkungen am wenigsten greifen – bei älteren, weniger komplexen Anlagen.
Wie stark trifft das ASML tatsächlich? China machte im zweiten Quartal 14 Prozent der Netto-Systemumsätze von 6,6 Milliarden Euro aus, umgerechnet knapp 924 Millionen Euro, und dürfte nach eigener Einschätzung rund ein Fünftel des Gesamtjahresumsatzes 2026 stellen. Ein Rückgang dieses Anteils wäre spürbar, aber angesichts der Guidance von 43 bis 45 Milliarden Euro für das Gesamtjahr kein Erdbeben.
Was das für Anleger bedeutet
An der Börse hat diese Gemengelage bereits Spuren hinterlassen. Die Aktie notiert aktuell bei 1.498,80 Euro, ein gutes Stück unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.556,69 Euro und rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro.
Über zwölf Monate gerechnet steht dennoch ein Plus von 133 Prozent zu Buche – ein Erinnerung daran, aus welch hohem Niveau die jüngste Konsolidierung kommt.
Parallel zur Kursbewegung verändert sich auch das Bild bei den Aktionären: AlTi Global Inc. reduzierte seine ASML-Position im zweiten Quartal um 76,3 Prozent, wie aus einer jüngst veröffentlichten Pflichtmitteilung hervorgeht. Solche Bewegungen einzelner Investoren sagen wenig über die fundamentale Lage aus, sie zeigen aber, wie nervös der Markt auf jede Nachricht rund um China reagiert.
Die eigentliche Frage für Anleger lautet daher nicht, ob China irgendwann eigene Lithografieanlagen bauen kann – das tut es bereits. Sie lautet, ob ASML seinen technologischen Vorsprung an der Spitze schnell genug ausbaut, um den erwartbaren Bedeutungsverlust am unteren Ende auszugleichen.
Der High-NA-Meilenstein bei Intel liefert darauf zumindest eine vorläufige Antwort. Der nächste Realitätscheck folgt am 14. Oktober, wenn ASML seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt.
Asml-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Asml-Analyse vom 20. August liefert die Antwort:
Die neusten Asml-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Asml-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
