Bei Asml klaffen die Erwartungen der Analysten weit auseinander. Am Samstag stufte Jose Luis Pascual die Aktie auf „Verkaufen“ herab. Dem stehen positive Einschätzungen vom Freitag gegenüber. Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: ASML meldet starke Geschäftszahlen und hohe Nachfrage, die Bewertung der Aktie bleibt unter Analysten jedoch umstritten.
Verkaufsempfehlung trifft auf hohe Kursziele
Medienberichten zufolge verband Pascual seine Abstufung mit einem Kursziel von 749 $. Am Freitag hatte Citi-Analyst Pavan Daswani dagegen seine Kaufempfehlung bestätigt. Er erhöhte sein Kursziel von 2.200 Euro auf 2.300 Euro.
Die unterschiedlichen Zielwährungen erlauben keinen unmittelbaren Zahlenvergleich. Schon die gegensätzlichen Empfehlungen zeigen aber, wie unterschiedlich die Analysten die Anlagechancen beurteilen. Eine gemeinsame Einschätzung lässt sich daraus nicht ableiten.
Weitere positive Analysteneinschätzungen vom Freitag reichten bis zu einem Kursziel von 2.500 Euro. Ein einheitlich pessimistisches Urteil ergibt sich aus den jüngsten Analystenaktionen somit ebenso wenig wie ein durchgehend positives Bild.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Die Verkaufsempfehlung ist ein Gegenpol zu den optimistischen Stimmen. Sie ersetzt aber weder die Geschäftszahlen noch liefert sie allein eine Erklärung für die jüngste Kursentwicklung.
Geschäftszahlen stützen die optimistische Seite
Vor gut einer Woche meldete ASML für das dritte Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 11,7 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte 57,5 Prozent, der Nettogewinn 5,0 Milliarden Euro.
Diese Ergebnisse liefern den wirtschaftlichen Hintergrund der Bewertungsdebatte. Zugleich stellte ASML weiteres Geschäftswachstum in Aussicht. Die Prognosen sind allerdings Erwartungen des Unternehmens und keine bereits erzielten Ergebnisse.
Für das vierte Quartal 2026 stellte ASML Erlöse zwischen 14,2 und 15,2 Milliarden Euro in Aussicht. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 hob das Unternehmen auf 44 bis 45 Milliarden Euro an.
Nach Unternehmensangaben reicht das geplante Angebot auch in den kommenden Jahren nicht vollständig aus, um die Kundennachfrage zu bedienen. ASML prüft deshalb einen weiteren Kapazitätsausbau.
Marktumfeld erklärt nicht die gesamte Bewertungsdebatte
Gestern belasteten steigende Ölpreise und eine sinkende Risikobereitschaft europäische Halbleiterwerte. Auch ASML geriet in diesem Umfeld unter Druck. Medienberichten zufolge richteten Anleger ihren Blick zudem auf die im weiteren Wochenverlauf erwarteten Ergebnisse von KI-Unternehmen.
Damit treffen bei ASML unterschiedliche Ebenen aufeinander: kurzfristige Marktrisiken, ein zuversichtlicher Geschäftsausblick und stark abweichende Analystenurteile. Die zentrale Anlegerfrage ist deshalb nicht allein, ob ASML wächst. Entscheidend ist, welche Erwartungen an dieses Wachstum eine Bewertung der Aktie rechtfertigen. Die jüngsten Empfehlungen geben darauf ausgesprochen unterschiedliche Antworten.
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