Zweifel an der Rentabilität der Investitionen in künstliche Intelligenz belasten heute Asml. Reuters zufolge drücken zugleich steigende Rohölpreise auf die Risikobereitschaft der Anleger. Damit steht weniger die Nachfrage nach ASML-Anlagen im Mittelpunkt als die Frage, ob die hohen KI-Ausgaben ausreichende Erträge bringen.
Die Aktie notiert bei 1.455,20 €. Der Kursrückgang steht im Zusammenhang mit einem breiteren Druck auf europäische Halbleiterwerte. Laut Reuters warten Anleger auf die Ergebnisse großer KI-Unternehmen. Diese könnten neue Anhaltspunkte dafür liefern, wie belastbar die wirtschaftlichen Erwartungen an künstliche Intelligenz sind.
Nachfrage und Rentabilität sind verschiedene Fragen
Für ASML treffen damit zwei unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Das Unternehmen berichtet von steigenden Nachfrageprognosen seiner Kunden. Am Markt wächst hingegen die Skepsis gegenüber den Erträgen der dahinterstehenden Investitionen. Eine hohe Bestellbereitschaft beantwortet die Rentabilitätsfrage auf Kundenseite nicht automatisch.
Bei der Ergebnisvorlage in der vergangenen Woche sagte CEO Christophe Fouquet, einige Kunden bekundeten bereits Interesse an Bestellungen für 2029 und 2030. Die geplanten Liefermengen würden die Nachfrage in den davorliegenden Jahren nicht vollständig decken.
Diese Aussagen beschreiben eine langfristige Investitionsbereitschaft. Sie sind jedoch weder mit bereits erteilten Aufträgen gleichzusetzen noch mit einem Nachweis ausreichender Renditen aus den KI-Ausgaben. Genau diese Unterscheidung ist für die Einordnung des heutigen Marktgeschehens entscheidend.
Geschäftszahlen liefern ein operatives Gegengewicht
ASML meldete für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden Euro. Diese Geschäftszahlen stehen den Zweifeln an der künftigen Wirtschaftlichkeit der KI-Investitionen gegenüber.
Der in der vergangenen Woche angehobene Jahresausblick unterstreicht die Erwartungen des Unternehmens an das eigene Geschäft. Er beantwortet allerdings eine andere Frage als die heutige Skepsis der Anleger: ASML prognostiziert seine Umsätze, nicht die späteren Erträge seiner Kunden aus deren Investitionen.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet ASML einen Umsatz von 44 bis 45 Milliarden Euro. Die Bruttomarge soll bei rund 56 Prozent liegen.
JPMorgan senkt Ziel bei positiver Einstufung
Auch die jüngste Analystenaktion verbindet eine positive Grundhaltung mit einer vorsichtigeren Bewertung. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande senkte am Donnerstag sein Kursziel. Die Einstufung „Overweight“ behielt er bei.
Für Anleger bleibt damit die Trennung zwischen operativem Geschäft und Bewertung zentral. ASMLs Nachfrageaussagen sprechen für anhaltendes Kundeninteresse. Die heutige Belastung betrifft dagegen das Vertrauen in die Ertragskraft des gesamten KI-Investitionszyklus. Gute Unternehmenszahlen allein räumen diese übergeordnete Sorge nicht aus.
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