Goldman Sachs hat Asml Holding Anfang August in seine europäische Conviction List aufgenommen. Die Analysten begründen die Auswahl mit der technologischen Führungsrolle des Lithografiespezialisten und den strukturellen Wachstumsaussichten der kommenden Jahre.
Für Anleger ist das ein Signal, das über die üblichen Kursziel-Debatten hinausgeht: Die Aufnahme in eine solche Liste markiert eine besonders hohe Überzeugung des Analystenhauses, nicht nur eine routinemäßige Einstufung.
Die Nachricht fällt in eine Phase, in der die Aktie technisch angeschlagen wirkt. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 1.507,80 Euro, nach einem Rückgang von 5,2 Prozent auf Wochensicht. Der jüngste Kursverlauf steht damit im Kontrast zur fundamentalen Zuversicht, die Goldman Sachs mit der Aufnahme in die Conviction List ausdrückt.
Technologische Basis für die Auswahl
Hinter der Einschätzung steht ein operatives Fundament, das ASML in den vergangenen Wochen selbst untermauert hat. Der Konzern meldete im Juli, dass Intel Foundry mit der Hochvolumenfertigung eines Teils der Prozessoren der Reihe Core Ultra Series 3 auf Basis der Intel-18A-Technologie begonnen hat – unter Einsatz der EXE-High-NA-EUV-Systeme von ASML.
Bestimmte Fertigungsschichten wurden dabei sowohl auf der High-NA- als auch auf der etablierten NXE-Plattform qualifiziert, mit vergleichbaren Ausbeuten in der Produktionsstätte in Oregon. Dieser Meilenstein gilt als wichtiger Beleg dafür, dass die teuerste und komplexeste Lithografietechnologie der Branche den Sprung von der Entwicklung in die Massenfertigung schafft.
Parallel dazu hat ASML Kapazitätspläne skizziert, die auf anhaltend hohe Nachfrage hindeuten: Für 2027 ist eine Steigerung der Fertigungskapazität bei Low-NA-EUV- und DUV-Immersionssystemen um 30 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr vorgesehen, eine weitere Ausweitung um denselben Umfang für 2028 wird geprüft. Für das laufende Jahr plant der Konzern den Versand von rund 65 Low-NA-EUV-Maschinen.
Kapitalrückführung läuft weiter
Auch bei der Kapitalallokation zeigt sich Kontinuität. ASML hat im zweiten Quartal Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Euro im Rahmen des laufenden Rückkaufprogramms 2026 bis 2028 erworben, und auch Anfang August wurden weitere Rückkauftransaktionen gemeldet. Die im Juli angekündigte Quartalsdividende von 1,88 Euro je Aktie wurde inzwischen ausgezahlt.
Diese Kombination aus operativer Substanz, Kapitalrückführung und technologischem Fortschritt bildet den Hintergrund, vor dem Goldman Sachs seine Entscheidung trifft. Bernstein-Analyst Scemama hatte am 10. August seine Kaufempfehlung mit einem unveränderten Kursziel von 2.452 Euro bekräftigt und dabei explizit auf die Lithografie-Führerschaft sowie die Durchsatz-Roadmap von ASML verwiesen.
Bewertung bleibt im Spannungsfeld
Für Anleger stellt sich die Frage, ob die jüngste Kursschwäche eine Kaufgelegenheit darstellt oder die Bewertung schlicht Luft ablässt. Die Aufnahme in die Conviction List von Goldman Sachs deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil der Analystengemeinde die technologische Position von ASML als so robust einschätzt, dass kurzfristige Kursschwankungen die langfristige These nicht infrage stellen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich diese Einschätzung in der Kursentwicklung niederschlägt.
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