ASML gerät am heutigen Montag gleich von zwei einflussreichen Analysehäusern ins Rampenlicht. Goldman Sachs hat den niederländischen Lithografie-Spezialisten in seine europäische Conviction List aufgenommen, Bernstein kürte die Aktie parallel zur besten Investmentidee für das dritte Quartal. Beide Häuser sehen bei ASML deutliches Aufwärtspotenzial – trotz eines Kurses, der zuletzt spürbar unter Druck stand.
Die Asml-Aktie notiert aktuell bei 1.426,00 Euro und legt am Handelstag um 0,35 Prozent zu. Vom eigenen 50-Tage-Durchschnitt bleibt das Papier mit einem Abstand von 7,24 Prozent nach unten allerdings noch spürbar entfernt – ein Zeichen dafür, dass die jüngste Konsolidierung noch nicht vollständig ausgestanden ist.
Goldman Sachs sieht Wachstum jenseits der KI-Story
Goldman-Analyst Alex Duval begründet die Aufnahme in die Conviction List mit Gewinnschätzungen, die für die Geschäftsjahre 2027 bis 2029 zwischen 5 und 18 Prozent über dem Marktkonsens liegen. Als Treiber nennt er nicht allein den Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz, sondern ausdrücklich auch die Nachfrage aus den Bereichen Logikchips, Speicherchips (DRAM), Mobilfunk, Automobil und Industrie. Zugleich rechnet Goldman Sachs mit einer kräftigen Ausweitung der Bruttomarge von rund 41 Prozent im laufenden Geschäftsjahr auf etwa 50 Prozent bis 2029. Als Risikofaktoren nennt die Bank Exportkontrollen, die Zyklizität der Investitionsausgaben der Kunden sowie operative Umsetzungsrisiken. Neben ASML nahm Goldman Sachs im August auch den Baustoffkonzern Sika und den Duftstoffhersteller Puig neu in die europäische Liste auf, während Schneider Electric und Knorr-Bremse herausfielen.
Bernstein sieht Preissetzungsmacht und ausgebuchte Kapazitäten
Noch konkreter wird Bernstein: Die Analysten stufen ASML mit „Outperform“ ein und nennen ein Kursziel von 2.500 Euro. Begründet wird die Einschätzung mit der steigenden Lithografie-Intensität in der Chipproduktion – bei Speicherchips soll der Anteil der Lithografiekosten von 20 auf fast 30 Prozent klettern, bei Logikchips auf über 30 Prozent. Die Preise für EUV-Maschinen seien binnen zwei Jahren um 20 Prozent gestiegen, was laut Bernstein die Margen mittelfristig in Richtung Mitte 60 Prozent treiben könnte. Der Finanzvorstand von ASML habe zudem signalisiert, dass die Fertigungskapazitäten bis Ende 2027 bereits ausgebucht seien und weitere Preiserhöhungen möglich blieben. Bernstein weist außerdem darauf hin, dass der Umsatzanteil aus China im ersten Halbjahr 2026 auf 16 Prozent gesunken ist – ein Hinweis darauf, dass die Abhängigkeit vom chinesischen Markt geringer ausfällt, als vielfach angenommen wird.
Aktienrückkauf läuft weiter, institutionelle Investoren stocken auf
Auch operativ bleibt ASML aktiv am eigenen Kapitalmarkt engagiert. Zwischen dem 27. und 31. Juli erwarb das Unternehmen im Rahmen seines im Januar angekündigten Rückkaufprogramms täglich zwischen rund 51.400 und knapp 56.800 eigene Aktien, zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 1.375,23 und 1.525,34 Euro. Der tägliche Gegenwert belief sich auf jeweils etwa 78 Millionen Euro. Das Programm unterstreicht, dass ASML trotz der jüngsten Kursschwankungen an seiner Kapitalrückführung festhält.
Auf der Investorenseite mehren sich zugleich die Signale für Zuversicht. Institutionelle Anleger halten laut jüngsten Meldepflicht-Angaben gut 26 Prozent der ASML-Aktien. Fisher Asset Management stockte seinen Bestand im ersten Quartal um 3,0 Prozent auf, VectorGlobal IAG stieg mit rund 9.400 Aktien neu ein und macht ASML damit zur achtgrößten Position im eigenen Portfolio. Auch kleinere Adressen wie Militia Capital Management griffen mit einer neuen Position im Wert von etwa 756.000 US-Dollar zu. Weitere Fondsgesellschaften wie Arrowstreet Capital, Price T. Rowe und Dimensional Fund Advisors bauten ihre Bestände im selben Zeitraum ebenfalls aus.
Für Anleger ergibt sich damit ein Bild, in dem kurzfristige Kursschwäche und langfristige Wachstumsargumente aufeinandertreffen. Während der Kurs unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt verharrt, untermauern gleich zwei namhafte Analysehäuser ihre positive Einschätzung mit konkreten Margen- und Ertragsprognosen bis in das Jahr 2029 hinein. Die anhaltenden Aktienrückkäufe und die Zukäufe institutioneller Investoren deuten darauf hin, dass der jüngste Rücksetzer von professionellen Marktteilnehmern eher als Kaufgelegenheit denn als Warnsignal gewertet wird.
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