Asml-Aktien geben nach – und trotzdem überschlagen sich Analysten mit höheren Kurszielen. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.528,00 Euro, ein Minus von 2,51 Prozent an einem Tag und 2,92 Prozent auf Wochensicht. Gleichzeitig hagelt es seit den Quartalszahlen reihenweise Kurszielanhebungen von Wall Street und europäischen Banken. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf, wem der Markt gerade glaubt.
Eine Welle von Kurszielanhebungen
Citi Research hob sein Kursziel für ASML von 1.675 auf 2.200 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Das neue Ziel liegt gut 31 Prozent über dem alten Wert. Auslöser waren die überraschend starken Quartalszahlen und eine deutlich angehobene Jahresprognose. Citi erhöhte daraufhin seine Umsatzschätzungen für die kommenden Jahre um 14 bis 36 Prozent, die Gewinnprognosen sogar um 25 bis 52 Prozent.
Citi steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Berenberg hob sein Kursziel auf 2.100 Euro an, zuvor lag es bei 1.570 Euro. Morgan Stanley erhöhte auf 1.930 Euro, Deutsche Bank auf 2.150 Euro. Auch die US-Banken zogen mit: Argus nannte 2.100 Dollar, RBC Capital ebenfalls 2.100 Dollar, JPMorgan 2.400 Dollar und Wells Fargo sogar 2.500 Dollar.
Besonders bemerkenswert: DZ Bank stufte ASML von „Halten“ direkt auf „Strong Buy“ hoch. Die Bank war bislang eher zurückhaltend positioniert. Der Sprung auf die Top-Bewertung zeigt, wie stark die Überzeugung wächst, dass der KI-getriebene Investitionszyklus in der Chipfertigung noch lange nicht ausgereizt ist.
Was die Zahlen liefern
Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,33 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54 Prozent. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 7,59 Euro. Für 2026 hob der Konzern die Umsatzprognose kräftig an: Statt 36 bis 40 Milliarden Euro sollen es nun 43 bis 45 Milliarden Euro werden, die Zielmarge klettert von 51-53 Prozent auf 54-56 Prozent.
Citis optimistische Haltung stützt sich nicht nur auf ein einzelnes Quartal. Die Bank geht von einem mehrjährigen KI-Investitionszyklus aus und sieht die Aufwärtsbewegung in der Halbleiterbranche noch in einer frühen Phase. Die Nachfrage nach Ausrüstung für moderne Logik- und Speicherchips bleibt hoch. Citi verweist zudem auf umfangreiche Bestellungen für 2027 und 2028, die eine bessere Sichtbarkeit auf die künftige Kundennachfrage liefern.
Ganz ohne Vorbehalte kommt das Szenario allerdings nicht aus. Citi setzt voraus, dass der Investitionsboom mindestens bis 2028 anhält, ASML die geplanten Kapazitäten rechtzeitig aufbaut und weitere Exportbeschränkungen gegenüber China die Gewinne nicht stärker belasten. Nach einem Kursanstieg von rund 66 Prozent seit Jahresbeginn ist die Bewertung bereits anspruchsvoll. Citi wettet damit nicht auf eine normale zyklische Erholung, sondern auf einen mehrjährigen, strukturellen KI-Zyklus mit deutlich steigenden Umsatz- und Gewinnschätzungen.
Kapazitätsausbau als Fundament der These
Parallel zu den Zahlen kündigte ASML einen Ausbau der Produktion an. Die Kapazität für Low-NA-EUV-Systeme soll 2027 um rund 30 Prozent gegenüber dem Niveau von 2026 steigen. Der Gewinnsprung im zweiten Quartal profitierte dabei bereits von stärkeren Verkäufen im Bereich Installed Base Management sowie von mehr Lithografie-Auslieferungen. Das Management hob die Prognose für 2026 erneut an, weil die KI-getriebene Chipnachfrage robust bleibt.
Nicht jeder genannte Faktor ist eindeutig positiv. Geopolitische Risiken bleiben ein Belastungsfaktor: China soll 2026 rund 20 Prozent zum Konzernumsatz beitragen, während US-Exportbeschränkungen weiterhin für Unsicherheit bei künftigen Verkäufen von Chipfertigungsanlagen sorgen.
Kurs bleibt unter dem Jahreshoch
Trotz der Flut an Kurszielanhebungen notiert die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem Jahreshoch. Das 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro wurde am 30. Juni 2026 markiert – der Freitagsschluss liegt gut 12,6 Prozent darunter. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 65,82 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es sogar 137,41 Prozent.
Der 14-Tage-RSI von 47,5 zeigt die Aktie weder überkauft noch überverkauft. Die Lücke zwischen dem aktuellen Kurs und den frisch angehobenen Kurszielen – mehrere davon liegen inzwischen deutlich über 2.000 Euro – deutet aus Sicht vieler Analysten eher auf eine größere Bewertungslücke hin. Ein Bruch mit der zugrundeliegenden Wachstumsstory rund um die KI-Chipnachfrage lässt sich daraus bislang nicht ablesen.
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