ASML Aktie: Zahlen am Mittwoch

ASML veröffentlicht Quartalszahlen ohne die bisher üblichen Auftragseingänge. Anleger fokussieren sich nun auf Management-Aussagen und den Ausblick.

Auf einen Blick:
  • Keine Bookings mehr als Indikator
  • Umsatzprognose für Q2 bekannt
  • Konkurrenz mit starken Zahlen
  • Charttechnisch neutrale Marktlage

Asml meldet am Mittwoch Quartalszahlen. Diesmal fehlt den Anlegern ein Werkzeug, das sie sonst immer hatten: die Auftragseingänge.

Die Aktie fiel am Montag um 2,07 Prozent auf 1.541,60 Euro. Am Freitag hatte sie noch bei 1.574,20 Euro geschlossen. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,43 Prozent, auf Monatssicht von 4,53 Prozent. Der Blick aufs letzte Jahr relativiert das: Die Aktie liegt noch 123,16 Prozent im Plus.

Keine Bookings mehr als Frühindikator

Bislang war der Ablauf einfach. Jedes Quartal veröffentlichte ASML seine Netto-Auftragseingänge und Anleger konnten daraus die künftige Nachfrage ablesen. Im vierten Quartal 2025 lagen diese Bookings noch bei 13,2 Milliarden Euro, davon 7,4 Milliarden Euro für EUV-Systeme. Der Auftragsbestand zum Jahresende stieg auf rund 38,8 Milliarden Euro — mehr als der gesamte Jahresumsatz 2025.

Seit dem ersten Quartal 2026 ist das vorbei. ASML veröffentlicht die quartalsweisen Bookings nicht mehr. Das Management begründet den Schritt damit, dass große Einzelaufträge das Bild verzerren können. Im ersten Quartal gab es dazu nur noch eine vage Aussage: Der Auftragseingang sei „sehr stark“ gewesen.

Für Anleger bedeutet das: Sie müssen sich jetzt auf Ausblick, Lieferzahlen und den Tonfall des Managements verlassen. Kommentare zum zweiten Halbjahr und zu 2027 wiegen damit fast so schwer wie Hartzahlen.

Die Prognose steht schon fest

Für das zweite Quartal hat ASML einen Umsatz zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro angekündigt, bei einer Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent. Im April hob der Konzern die Jahresprognose 2026 an: von 34 bis 39 Milliarden Euro auf 36 bis 40 Milliarden Euro.

Diese Zahlen dürften am Mittwoch kaum überraschen. ASML verbucht Umsatz erst, wenn ein System beim Kunden installiert und abgenommen ist — das dauert nach Auftragseingang meist zwölf bis achtzehn Monate. Die aktuellen Umsatzzahlen sind also längst vorgezeichnet. Analysten richten den Blick deshalb weniger auf das Quartalsergebnis selbst als auf das, was das Management zu den Kapazitätsplänen für 2027 sagt.

Die Konkurrenz liefert schon vor

Die Zahlen kommen mitten in eine starke Berichtssaison für Chip-Ausrüster — das setzt ASML unter Druck. Applied Materials meldete einen Rekordumsatz von 7,91 Milliarden US-Dollar im zweiten Fiskalquartal, ein Plus von 11 Prozent im Jahresvergleich. Der Konzern erwartet für sein Halbleiterausrüstungs-Geschäft nun ein Wachstum von über 30 Prozent im Kalenderjahr 2026 — im Februar waren es noch „über 20 Prozent“.

Noch wichtiger für ASML: Einen Tag später, am 16. Juli, legt TSMC seine Zahlen vor. Der weltgrößte Auftragsfertiger und einer der größten ASML-Kunden hat für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 39,0 und 40,2 Milliarden US-Dollar angekündigt, bei einer Bruttomarge von 65,5 bis 67,5 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet TSMC mit einem Dollar-Umsatzwachstum von über 30 Prozent. Die Investitionspläne von TSMC werden zeigen, ob die Litho-Nachfrage mit dem Rest der Lieferkette Schritt hält.

Charttechnik mahnt zur Vorsicht

Der Kursrückgang vom Montag drückt die Aktie weiter von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 1.748,00 Euro weg, das am 30. Juni erreicht wurde. Der Abstand zum Rekord beträgt jetzt 11,81 Prozent. Über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.484,88 Euro liegt die Aktie noch mit 3,82 Prozent — zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.170,03 Euro sind es satte 31,76 Prozent.

Der RSI von 48,6 signalisiert neutrale Marktlage, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 63,44 Prozent zeigt allerdings: Der Markt positioniert sich nervös vor den Zahlen. Seit Jahresbeginn steht die Aktie trotz des jüngsten Rückgangs bei einem Plus von 55,99 Prozent.

Analysten bleiben trotz Unsicherheit optimistisch

An der grundsätzlichen Einschätzung der Bank-Analysten hat sich wenig geändert, auch wenn der kurzfristige Ausblick unsicherer wirkt. Deutsche Bank hob das Kursziel vergangene Woche von 1.600 auf 1.800 Euro an und beließ die Kaufempfehlung. Morgan Stanley zog wenige Tage zuvor nach: Kursziel 1.830 Euro statt 1.660 Euro, Einstufung „Overweight“.

Deutsche-Bank-Analyst Robert Sanders räumte in seiner Einschätzung offen ein, dass derzeit viele negative Szenarien im Umlauf sind — von Nachfrageschwäche über Lieferkettenprobleme bis zu Finanzierungs- und geopolitischen Risiken. Das spiele Marktpessimisten in die Karten.

Ohne die Bookings-Zahlen als vierteljährlichen Fixpunkt wird der Bericht am Mittwoch auch zu einem Test für die Glaubwürdigkeit des Managements. Die vorsichtige Positionierung der Anleger im Vorfeld zeigt: Der Markt rechnet mit beiden Ausgängen.

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